Druckschrift 
2 (1885)
Entstehung
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was er als wahr erkannt zu haben glaubte, er machte von seinen politischen und Weltanschauungen kein Hehl. Seine echt nationale Stellung hat ihm darum besonders noch in Frankfurt einen schweren Stand bereitet, ihm mancherlei Anfeindungen zugezogen. Aber das beugte ihn ebenso- wenig wie die mancherlei schweren Schicksale, die ihn in seinem häuslichen Leben trafen; sein sanguinisches Temperament, sein idealer Sinn, seine Erholung in wissenschaftlichem Schaffen erhielt ihm die Elasticität des Geistes, die zugleich durch einen kräftigen, allen Anstrengungen trotzenden Körper gesichert wurde. Wie er einst als Knabe den ländlichen Arbeiten obgelegen, wie er als Jüngling auf dem Gute des Grafen Lehndorf mit Reiten und Jagen sich Erholung verschafft, wie er in Wehlau mit den Kürassieroffizieren um die Wette geritten, wie er in Elbing geturnt und Turnunterricht erteilt, so war er hier noch gern zu einem tüchtigen Marsche bereit und verschmähte es z. B. nicht, mit mir, dem jungen Lehrer, allein einen ganzen Sonntag, von morgens 5 bis abends 10 Uhr, einer Tour durch den Reinhardswald zu widmen. Seine Reisen, die später durch die zahl- reichen Vorlesungen, welche er hielt, notwendig wurden, schienen ihn nicht anzugreifen!; immer frisch, unterhielt er sich nach einer solchen hier stets noch stundenlang mit denen, die sich dann beim Glase Wein um ihn drängten. Da erlag er plötzlich am 20. December 1879 einem Lungenleiden, tiefbetrauert von allen, die ihn zu würdigen gewusst. Wer ihm als Kollege, als Schüler nahe gestanden, wird ihn Zeit seines Lebens nicht vergessen, und seine Schriften, besonders die Shakespeare- vorlesungen, die Faustvorträge, die über den modernen deutschen Roman, über die französische Geistesbewegung im 19. Jahrhundert und seine Shakespearefragen, sichern ihm eine Bedeutung für lange Zeit und in den weitesten Kreisen.

Als Ostern 1871 Direktor Kreyssig unsere Stadt verliess, um sich in Frankfurt a/M. der Aufgabe zu unterziehen die drei Schulen der polytechnischen Gesellschaft daselbst zu einem organischen Ganzen zu vereinigen, da trat an seine Stelle, zunächst provisorisch, nach einem Jahre definitiv, unser erster Oberlehrer Dr. August Preime.

Er war ein Kind unserer Stadt. Geboren am 8. Februar 1827 als Sohn des Polizei- Kommissars Chr. Preime, hatte er das hiesige Gymnasium und dann die Universität Marburg besucht. Nachdem er 1 Jahr lang als Hauslehrer thätig gewesen und dann das Marburger Examen der Bewerber um ein Lehramt an Gelehrtenschulen so hiess unsere kurhessische Fakultätsprüfung bestanden, war er 1 Jahr lang Vorstand einer Knaben- und Mädchenschule zu Mengeringhausen in Waldeck, absolvierte hierauf von Ostern 185152 sein Probejahr am Gymnasium zu Hersfeld und trat dann als beauftragter Lehrer am hiesigen Gymnasium ein, zunächst zur Vertretung eines erkrankten Lehrers. Ich war damals Schüler der Quarta. Zweimal erteilte er uns ein Vierteljahr lang statt unseres Ordinarius Unterricht, und mit Vergnügen erinnere ich mich noch des angenehmen Gegensatzes, den wir empfanden, als uns nicht mehr nur unter Drohungen und Strafen, sondern in freundlicher Weise die lateinischen Genusregeln beigebracht wurden. Auch das wird mir stets in Erinnerung bleiben, wie Preime schon damals, als die Augen der Behörden sich diesem Teile der Pädagogik noch wenig zuwandten, eifrig auf die Körperhaltung der Schüler achtete, deren Berück- sichtigung für Gesundheit und Anstand so wichtig ist. Bis 1869 blieb er Lehrer am hiesigen Gymnasium. Daneben unterrichtete er eine Zeit lang an der hiesigen höheren Gewerbeschule; ausserdem gab er den Söhnen des Kurfürsten von Hessen, den Prinzen von Hanau, Privatunterricht. Manche Zeit widmete er seinen Freunden, die seinen unverwüstlichen Humor aus jenen Jahren nicht