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2 (1885)
Entstehung
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der neu zu errichtenden Realschule 1. O. in Cassel gewählt war, da zogen sich die Verhandlungen über seine Bestätigung lange hin, wohl darum besonders, weil man meinte, seine politischen und wissenschaftlichen Interessen würden ihm nicht die Zeit und Ruhe lassen, welche die Neueinrichtung einer höheren Schule erforderte.

Als er Ostern 1869 zur Ubernahme seines Amtes hier eintraf, hatten die hier anwesenden drei von den zuerst gewählten vier Lehrern der neuen Anstalt, Dr. Preime, Grebe und ich, schon 388 Anmeldungen entgegenzunehmen gehabt, es waren 6 weitere Lehrer gewählt und zugegen, und er fand sofort tüchtige Arbeit vor. Während der ersten vier Tage wurden in täglichen Konferenzen Vorbesprechungen gehalten, vier Tage wurden die Schüler geprüft, dann der Klasse zugewiesen und das Nötige für den Unterricht selbst beraten. Am 19. April begann dieser in 8 Klassen, deren je zwei einander parallel waren, mit 299 Schülern. Wie unermüdlich thätig Kreyssig für die als- baldige Organisation war, das zeigen die Data der Konferenzen aus jener Zeit, das wissen vor allen wir älteren Lehrer, die mit ihm zusammen die Arbeit begannen. Wie gern liessen wir uns von ihm in allem leiten; was er anordnete, was er vorschlug, es entsprang, das sahen wir, einer über- legenen Beurteilung, einer gereiften Erfahrung, einer vollen Liebe zum Lehrerberuf. Sein Geist belebte bald Lehrer und Schüler, und in frischer Kraft entwickelte sich die neue Anstalt. Und wie verstand er zu unterrichten! Die hiesigen Kollegen vom Gymnasium begriffen es kaum, als sie unserer ersten öffentlichen Prüfung beiwohnten, wie man mit Tertianern die Tertia war unsere oberste Klasse solche Dinge im deutschen Unterricht treiben konnte, wie Kreyssig sie behandelte. Es war eben ein Praktikum in der Logik, das er gab, er wusste zum Denken zu erziehen. Als wir drei Jahre nach seinem Fortgang, im Herbst 1874, unsere erste Maturitätsprüfung hielten und dabei von 10 Abiturienten, die seine Schüler gewesen, 6 mitgut, 4 mitgenügend bestanden entlassen werden konnten, da zeigte sich hierin noch die vortreffliche Nachwirkung seines grund- legenden Unterrichts. Mit welchem Interesse habe ich bei ihm hospitiert, wie konnte man von ihm lernen, was alles aus des Schülers Seele zu entwickeln ist, wenn man sie versteht und zu behandeln weiss.

Und neben dém Schulmann, welch ein vortrefflicher Redner war Kreyssig! Ich werde nie den Eindruck vergessen, den ich in dieser Beziehung von ihm empfing, als uns im Saale des Rat- hauses unsere Bestallungsurkunden überreicht wurden. Er war aufgestanden, um zu sprechen; das Haupt gebückt, mit dem Daumen der rechten Hand nervös an der einen Ecke seiner Bestallungs- urkunde hin- und herschiebend, stand er da, mit dem wenig ansprechenden qurchfurchten Gesicht, wohl einem thörichten Manne vergleichbar oder einem tückischen, wie es bei Homer von Odysseus heisst; als aber dann der Mund sich geöffnet,als die Worte ihm von den Lippen flogen wie stöbernder Schnee, als sein Haupt sich erhob, als seine Augen leuchteten, da lauschte man voller Bewunderung der herrlichen Gabe, die ihm verliehen, da staunte man immer aufs neue über die Fülle von Wissen, über den weiten, klaren Blick, mit dem er die Dinge beurteilte. Und manchmal noch haben wir ihn seitdem reden hören. Ich erinnere an seine Festrede zum Gedächtnis Alexanders von Humboldt im September 1869, an die zu Ehren Beethovens im December 1870, an seinen Vorlesungencyklus über den deutschen Roman, an den über die Shakespeareschen Dramen, den er noch hier als Direktor hielt, an die Vorlesungen, zu denen ihn danach in jedem Winter der Kauf- männische Verein einlud. Viel Anerkennung ist ihm dafür zu teil geworden, manchen hat er auch unangenehm berührt mit dem, was er sagte. Er färbte nicht, er besass den Mut offen auszusprechen,

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