Lum Gedächtnis der Direktoren Prof. Friedr. rejsöig 1. Dr. Xug. Preime.
Kurzer Rückblick, gegeben am 20. Febr. 1884 in der Abend-Unterhaltung des Realgymnasiums von Dir. Dr. Wittich.
Geehrte Anwesende!
Wie Sie bereits aus unserem Programm ersehen haben, ist ein Teil des Reinertrages des heutigen Abends dazu bestimmt, die Kosten für die Anbringung der Reliefmedaillons der beiden verstorbenen Direktoren unserer Anstalt, Friedr. Kreyssig und Aug. Preime, zu decken; ein Teil soll dem Fonds der Preimestiftung zugewiesen werden. Um von dieser zuerst kurz zu sprechen, so ist dieselbe, aus Sammlungen von den Kollegen, den Freunden des Verstorbenen, früheren und jetzigen Schülern unserer Anstalt entstanden, dazu bestimmt, unbemittelten und würdigen Schülern aus den Zinsen eine Unterstützung während ihres Aufenthaltes auf der Schule und bei ihrer weiteren Ausbildung zu gewähren. Ein Abschluss der Sammlungen hat noch nicht stattgefunden, und wir werden wohl auch in künftigen Jahren versuchen durch ähnliche Veranstaltungen wie die heutige dem Fonds weitere Mittel zuzuführen.
Die beiden Reliefbilder, Nachbildungen der Medaillons auf den Grabdenkmälern der Dahin- geschiedenen zu Frankfurt a/M. und auf unserem Friedhofe, sind bereits als Schmuck unserer Aula angebracht. Für das Kreyssigsche waren auch schon die Mittel durch Sammlungen früherer Schüler gedeckt worden.
Wie ich soeben die Hülle hier weggezogen und Ihrem leiblichen Auge die Bilder sich dargestellt haben, so möchte ich jetzt versuchen Ihrem geistigen Auge in kurzen Zügen die Dahin- gegangenen wieder vorzuführen.
Friedrich Alexander Theodor Kreyssig war am 5. Oktober 1818 auf dem Gute Gottesgabe bei Mohrungen in Ostpreussen, dem bekannten Geburtsorte Herders, als Sohn eines Gutsverwalters geboren. Nachdem er frühe seinen Vater verloren, den er schon in allen ländlichen Arbeiten hatte unterstützen müssen, nahm sich sein Oheim, welcher Lehrer, zuletzt am Waisenhause in Königsberg war, seiner an. Dort wurde er zum Elementarlehrer ausgebildet und lag diesem Berufe ein Jahr lang ob. Dann aber trieb es ihn wieder nach Königsberg, und zwar zur Universität, auf der er sich 4 ½ Jahr dem Studium der alten und der neueren Sprachen widmete, während er zugleich als Erzieher der Söhne des Grafen Lehndorf seinen Unterhalt verdiente und Gelegenheit fand ganz andere Kreise des Lebens als früher kennen zu lernen. Nach Beendigung seiner Studien, 1843, wurde er Oberlehrer an der höheren Bürgerschule in Wehlau, 1845 in Elbing, 1859 Direktor an derselben Anstalt, die inzwischen zur Realschule 1. O. erhoben war. Von 1846 auf 47 hatte er einen längeren Urlaub zum Aufenthalte in Paris gehabt, der ihn nicht bloss die französische Sprache, nicht bloss das französische Volk jener Stadt, noch dazu in einer Zeit sich anbahnender politischer Umwälzungen, kennen lehrte, sondern auch wesentlich mit dazu beitrug, ihm die umfassende allgemeine Bildung und die vielseitigen Interessen zu geben, die ihn auszeichneten. Als er im Jahre 1868 zum Direktor


