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2 (1885)
Entstehung
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wohl noch Hafer und Roggen, muss jedoch die Kultur bald schliessen und den Boden einer 30 jährigen Brache überlassen, währenddessen das Moor z. T. in seinen Urzustand zurückkehrt.

Eine weit vorzüglichere Verbesserung der Moore ist ihre Umwandlung in Fehne, ebenfalls eine Moorkultur, die bereits im 17. Jahrhundert in Holland angewandt ward. Allein um eine Fehne anzulegen, darf das Moor nicht zu tief liegen. Daher sucht man vorzugsweise solche Moore dazu aus, deren Oberfläche aus einer 1 2 m dicken Lage Torf besteht. Auf diese Oberschicht folgt eine 1 2 m, stellenweise auch 56 m mächtige Schicht von schwarzem Torfe, grösstenteils Holz- torf, der aus den verschütteten Wäldern einer früheren Periode entstanden ist. Dann folgt eine Schicht weissen Sandes von ½H 1 ½ m Mächtigkeit und, was wesentlich ist, das Quellwasser.

Bei der Urbarmachung gräbt man zunächst von einem schiffbaren Flusse aus einen Kanal in das Moor, der nicht bloss zur Entwässerung, sondern auch zur Verschiffung des abgestossenen Torfes in die Marschlande dient. Andere Entwässerungskanäle folgen dann nach. Die Oberschicht des Torfes wird nun abgetragen und in Haufen gelegt. Hierauf nimmt man die Mittelschicht weg, die als Brennmaterial verkauft wird. Ist dies geschehen, so wird die zurückgelegte Oberschicht auf den weissen Sand gestürzt und mit diesem vermengt. Findet man mergeligen Untergrund und kann Dünger auf den Kanälen aus der Stadt oder von einer naheliegenden Marsch herbeigeschafft werden, so entwickelt sich nach 23 maliger Düngung eine Fruchtbarkeit, die der mancher Marsch- gegend nicht nachsteht. Zum Schutze gegen heftige Winde legt man nach der Windseite Holz- pflanzungen an, am besten Eichen, die gut gedeihen.

Die Fehne haben gewöhnlich eine Länge von 1115 km und eine Breite von 47,5 km. Unter den Bewohnern sind die Torfgräber nach dem Moore zu immer voran. Dicht hinter ihnen kommen kleine Häusler, welche ein Stück des abgeräumten Moores in Pacht haben, weiter zurück dann Grossgrundbesitzer mit prächtigen Gebäuden, den vorbeifahrenden ärmeren Kolonisten ein Sporn und eine Hoffnung ihrer Zukunft.

Manche von den grössten Fehnen zühlen über 10000 Einwohner, die Hunderte von Schiffen zur Ab- und Zufuhr auf den Kanälen besitzen.

Diese Fehnkolonieen umfassen bereits in Friesland über 1000 ha, wozu noch die blühende Fehnkolonie Papenburg im Meppenschen mit etwa 4500 ha kommt. Freilich sind das nur ver- schwindende Strecken gegenüber der ganzen kultivierbaren Fläche; und es wird noch kostspieliger Kanalbauten bedürfen, um durch die Fehnkultur die traurige Brandkultur ganz zu verdrängen. Allein die Anfänge sind gemacht, und bei der rührigen Thätigkeit auf holländischer und deutscher Seite ist Aussicht vorhanden, dass diese deutsche Wüste, wie man sie nennen könnte, einst freund- lichen Kulturländern weichen muss. ¹²³)

Werfen wir nun zum Schluss nochmals einen Blick auf die durchwanderte norddeutsche Tiefebene, so fällt uns sofort die Beschaffenheit und der Wechsel ihrer Oberfläche auf. Diese besteht nämlich vorherrschend aus Diluvialbildungen, Löss, d. i. sand- und kalkhaltigem Lehm, Thon, Mergel, Kleiboden, Sand, Kies und Geestland. Zuweilen sind über diese Diluvialdecke grosse Torfmoore, starke, fruchtbare Humusdecken, Marschen, Ablagerungen von Raseneisenstein oder von

¹23) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannnover, p. 48 ff. Reclus-Ule, Die Erde und die Er- scheinungen ihrer Oberfläche, I. p. 65 ff. Daniel, Deutschland, I., p. 462 464. Ausland 1872, p. 205.