— 20—
ein Exemplar in über 6 m Tiefe lebende Wurzeln haben und mit allen seinen Verzweigungen auf der Oberfläche eine Strecke von über 6 m Durchmesser decken kann.
Haben dann Strandhafer und Sandhalm die Düne zum Stillstand gebracht und durch ihren Blattabfall eine dünne Humusdecke gebildet, so stellen sich grössere Pflanzen ein, wie der Seedorn, Hippophaë rhamnoides, ein Strauch, der, etwa 1 m Höhe erreichend, schöne, rote und gewürzige Beeren trägt. In Helgoland hat er sich für die Dünenbefestigung höchst nützlich erwiesen. Sein Gestrüpp nämlich lässt kein hineingefallenes Sandkörnchen sich wieder entreissen, wührend es für die beständige Anhäufung neuen Sandes die trefflichste Gelegenheit bietet, dass der Strauch, wenn er von unten allmühlich im Sande begraben ist, nach oben beständig frische Zweige treibt.
Ihm folgt dann Carex arenaria, Sandsegge, die mit ihrem fast 10 m langen Wurzelstocke weit umherkriecht und andere Pflanzen, wie Gagel, Wyrica gale, und Krähenbeere, Impetrum nigrum, dadurch fester knüpft. Bald kriecht auch eine Weide ¹²⁰), Salic repens, den Abhang hinauf, wilde Rosen, Rosa pimpinellifolia, und der Wachholderstrauch, Juniperus, siedelu sich an. Des letzteren Zweige senken sich zur Erde herab, schlagen dort Wurzeln und treiben neue Sträucher hervor. Schliesslich fliegt auch Kiefernsamen an, und das Heidekraut überzieht den Boden.
Bei alledem muss aber anfangs ausserordentlich acht auf die Tierwelt der Dünen gegeben werden, besonders auf die Nagetiere, die in schneereichen Wintern die Wurzeln des Strandhafers und Sandhalmes zernagen, wie z. B. die Wühlmaus, Hypudaeus arvalis, und das wilde Kaninchen.
Ausserdem sind die Dünen, so lange sie nach der Bepflanzung noch nicht den gehörigen Grad von Festigkeit haben, was etwa 15 Jahre dauern kann, vor jedem unvorsichtigen Betreten seitens der Menschen und besonders des weidenden Viehes zu schützen. ¹²¹)
Die zweite Veränderung an unsern Küsten, auf die hier noch aufmerksam gemacht zu werden verdient, ist die Kultivierung der Torfmoore. Die Entstehung derselben hatten wir oben kurz berührt. Näheres darüber sowie auch über die Arten der Moore findet sich bei von Maack und Guthe. ¹²²)
Uns interessiert hier nur die Umwandlung der mächtigen Sumpf- und Moorlandschaften, die von der Zuidersee aus bis über die Ems und Weser nach Holstein hinein die norddeutsche Tief- ebene bedecken, in fruchtbare Ackerlandschaften.
Das ganze Gebiet dieser Moore schätzt man auf 100 ◻ Meilen, 5500 dkm, wovon allein auf das grosse Aremberger Moor zwischen Himling, Hunte, Leda und Ems 28—◻Meilen, 1540 qkm, auf das Bourtanger Moor und den Twist auf dem linken Emsufer 25 ◻ Meilen, 1375 qkm, kommen.
Die völlige Ebenheit der Bodenoberfläche und die Hemmung des Wasserabflusses zur Nordsee durch einen Kranz zusammengewehter Dünen haben diese Torfbildung begünstigt, wie sie in ganz Deutschland nicht wieder vorkommt.
110) Griesebach, Die Vegetation der Erde, I., p. 148.
¹21) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover. p. 13 ff.— Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, I., p. 158— 160.
¹22) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., Bd. VIII., p. 10 ff.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 49 ff.


