Druckschrift 
2 (1885)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

versucht, aber noch in den Jahren 1804 1827 konnte der Flugsand 350 ha Kiefernhochwald vernichten.

Herzog Albrecht von Preussen legte, um das am 6. Januar 1479 nach einem viertägigen Nordsturme entstandene Pillauer-Tief zu schützen, dort eine Schanze an, die Gustav Adolf 1626 zu einer Festung erweiterte. Von der Küste bis zur Festung zog sich ein Laubwald hin, unter dessen Schutze die Schweden im Jahre 1657 bis zur Festung vordrangen und dieselbe beinahe überrumpelt hätten. Der Generalmajor Pierre de la Cave liess deshalb den Wald fast gänzlich niederschlagen. Seitdem wurden nun die schönen Wiesen und die Festung mit Sand überschüttet, und so mächtig drang der Sand vor, dass Friedrich der Grosse im Jahrc 1770 die Festung eingehen und erst Friedrich Wilhelm II. sie 1790 aus dem Sande ausgraben liess. 1¹8)

In Holland hat die Entwaldung ebenso traurige Folgen gehabt, und die Zuschüttung des Rheinarmes bei Katwijk durch Flugsand ist auf die Abholzung der Dünen mit zurückzuführen. Nach Staring ¹¹⁹½) verdankt sogar eine der höchsten friesischen Dünen der Vernichtung einer einzigen Eiche ihren Ursprung.

Lange nun hat es gedauert, ehe man, die Natur selbst zur Lehrmeisterin nehmend, auf Anpflanzung von Strandhafer verfiel. Man errichtete im Anfang Reisigzüune auf den höchsten Dünenrücken, einen über den andern, bis man turmhohe Hügel hatte, die dann wohl Erdrutsche bekamen und einstürzten. Darauf begann man das Experiment von neuem. Endlich im Jahre 1796 dachte man an Anpflanzungen. Die ersten waren hierbei die Holländer, die Meister in Meeres- und Uferbauten. Sie erkannten die Notwendigkeit den Dünen Halt zu gebieten.

Geschützt und bedroht zugleich durch diese beweglichen Sandmassen, die unablässig über ihre Fluren vordrangen, haben sie dieselben seit einem Jahrhundert durch Anpflanzungen von Schilfgräsern, Ahorn und Weiden anscheinend dauernd befestigt.

Bei uns hat man an mehreren Stellen mit Erfolg Strandhafer angepflanzt. In Schleswig hat man eine eigene Aufsichtsbehörde, die Sandflugkommissarien, eingesetzt.

Besser aber als der Strandhafer, Elymus arenarius, dessen Blätter im Winter absterben und dessen Schösslinge sich nicht so dicht an die Mutterpflanze anschliessen, ist der Sandhalm, Ammophila arenaria. Dies ist ein graugrünes Gras, das mit dem dürrsten Sandboden fürlieb nimmt, gesellig wächst und den Sand der Dünen befestigt. Der Sandhalm erhebt sich fast 1 m über den Boden, hat einen walzenförmigen Wurzelstock mit 6 12 cm langen Gliedern, von denen wagerecht fortlaufende Wurzelfasern ausgehen, die meterlang werden. Am untern Stammende hat er 5, auch 6 Blätter, die 6 9 cm lang und etwa 75 mm breit sind. In ihren Blattwinkeln stehen kleine Knöspchen, aus denen neue Pflanzen sich entwickeln, sobald sie mit Sand bedeckt werden. In der Mitte des August sind die Xhren reif, der Same fällt aus und trägt durch seinen Reichtum an Körnern sehr zur Verbreitung der Pflanze bei. Auch im Winter verliert der Sandhalm weder Halm noch Blatt, vermag also gerade in der Zeit der stärksten Stürme die Düne zu schützen. Dabei wird die Pflanze durch Sandüberschüttung nicht getötet, sondern nur noch zu stärkerem Wachstum von Seitentrieben und Schösslingen angeregt, so dass bei wiederholten UÜberwehungen

¹18) Foss, Die preussische Ostseeküste, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, Bd. XI, 1861.

113) Staring, De Bodem van Nederland, I., p 725. 3*