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2 (1885)
Entstehung
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kommen die Mauertrümmer der verschütteten Gebäude und die Särge der mit Sand überschütteten Kircbhöfe in den Dünenthälern und am Strande wieder zum Vorschein, und man beerdigt die Toten zum zweiten Male auf dem neuen Kirchhofe, den die inneren Dünen bereits wieder erreicht haben.

Auf solche Weise wandern meilenlange Strecken Landes. Unablässig dringen diese beweglichen und wandernden Sandmassen vor und vernichten die Fluren; ja, ganze Inseln, wie Amrum und Sylt, wanderten. Auch die Inseln vor der Emsmündung müssen eine derartige Bewegung durchgemacht haben, was daraus hervorgeht, dass man im Nordwesten von Borkum auf einer Aussensandbank im Jahre 1789 Spuren von Brunnen, Urnen und dergleichen aufgefunden hat, die auf Ansiedlungen von Menschen deuten, welche einst binnenseits der Dünen gewohnt haben.

Man hat die Dünen oft mit riesigen Sanduhren verglichen, welche die Zeit durch ihre Wanderungen messen. Man hat zu ermitteln versucht, wie gross die jährliche Geschwindigkeit dieser Bewegung ist. Bremontier hat durch eine achtjährige Reihe von Beobachtungen für das jährliche Vorschreiten der Dünen von la Teste einen mittleren Wert von 20 25 m erhalten. Und dieses Resultat stimmt im ganzen auffallend mit dem überein, was man von dem Vorschreiten der Dünen von Lege in den letzten 4 Jahrhunderten weiss. An der nordfriesischen Küste giebt die Kirche von Ording auf Eiderstedt einen Anhaltepunkt. Im Jahre 1650 wurde sie etwa 600 m nach Osten verlegt, lag aber im Jahre 1777 schon wieder am Fusse der Dünen. Daraus ergiebt sich hier eine jährliche Geschwindigkeit von etwa 6 m. Beobachtungen auf Sylt und in den Nieder- landen stimmen damit überein. ¹¹*)

Nicht immer waren diese Dünen vorhanden, sondern nach dem einstimmigen Zeugnis alter Geographen, wie Strabon und Plinius, denen doch die Erscheinung vom Winde fortgetriebener Hügel aufgefallen wäre, breiteten sich in der Ebene des heutigen Niederdeutschland bis zum Meere hin mächtige Wälder aus. Finden sich doch noch ganze Wälder unter den Sandbänken und Dünen vergraben, die übrig gebliebenen Zeugen ehemaliger Waldung. Naturereignisse, aber auch Menschenhand haben diesen Schutz vernichtet, und die Uferbewohner haben sich z. T. selbst anzu- klagen; denn die Dünen sind ihr eigenes Werk.

Lehrreich sind in dieser Beziehung einige Vorgänge bei den preussischen Nehrungen. Diese schmalen Landzungen waren alle dicht bewaldet. Die Halbinsel Hela trug dichte Erlen- wälder, wurde aber nach deren Abholzung derartig angegriffen, dass es schon im Jahre 1818 auf 92 km 27 Stellen gab, die, von den Dünen nicht mehr geschützt, in Sturmzeiten überflutet wurden. Der Flugsand der Dünen überschüttete nicht nur das dahinter liegende fruchtbare Land, sondern begrub auch die Mundungen der Flüsse..

Friedrich Wilhelm I. von Preussen liess in augenblicklicher Finanznot die Dünenwälder der frischen Nehrung niederschlagen. Er löste wohl aus dem Holze 600000 Mark, aber die Folge war die zunehmende Versandung des frischen Haffes und die Vernichtung der Fischerei in demselben. Das weit in die Wasserfluten mächtig wuchernde Schilf drohte einen ungeheuren Sumpf zu bilden; die Meerstrasse nach Elbing ward durch die zunehmende Seichtigkeit gefährdet. Mit grossen Kosten, die jenen Nutzen bei weitem übersteigen, hat man die Dünenwanderung zu dämpfen

. 117) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 12 ff. Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, I., p. 159 ff.