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2 (1885)
Entstehung
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Freilich immer ist der Mensch in seinem Kampfe mit den Meereswogen nicht glücklich. Vor allem sind die Bewohner der kleinen Inselchen, Hallige genannt, an der Westküste Schleswigs vielfachen Überschwemmungen ausgesetzt, die sich alljährlich wiederholen, weil die Inseln wegen ihrer Kleinheit nicht eingedeicht sind. Eine herrliche Schilderung des mühe- und gefahrvollen Lebens auf den Halligen ist uns von J. G. Biernatzky geworden, der als Pastor auf der Hallig Nordstrandischmoor die grosse Flut von 1825 erlebte. Seine Schilderung jedoch hält ein anderer Geistlicher, Hachtmann, der von 186768 auf Hooge als Seelsorger wirkte, wenigstens für die ihm bekannten grösseren Hallige, für übertrieben.

Im übrigen gilt von diesen nordfriesischen Inseln dasselbe wie von den ostfriesischen. Mögen sie dem dahinterliegenden Lande so lange als Wellenbrecher dienen, bis die dahinterliegenden Watten beschlickt und eingedeicht sind! Dann, nachdem sie landfest geworden, dürfte auch hier den Einbrüchen und Verheerungen z. T. gesteuert sein.

Wir vermögen aber von den Küsten des deutschen Meeres, deren Verluste an Land Guthe ¹¹⁶) auf 91,8 ◻Meilen, 5049 qkm, berechnet, während die Wiedergewinnung nur etwa 47 ◻Meilen, 2585 qkm, beträgt, nicht zu scheiden, bevor wir nicht noch zweier Erscheinungen, der Dünen und der Moore, kurz gedacht haben; denn gerade die Dünen haben an den Küsten grosse Veränderungen hervorgerufen und den Menschen schweres Unheil gebracht, während die jetzt in Angriff genommene Urbarmachung der Torfmoore der ganzen Gegend ein verändertes, freundlicheres Aussehen geben wird.

Dünen trafen wir bei unserer Wanderung von der Enge des Kanals bis nach Blaavandshuk, von wo sie sich bis zur äussersten Nordspitze Jütlands fortsetzen. Wir trafen die Dünen unzerstört von Calais bis zum Rheindelta und dann im Norden desselben bis Helder. Von der Zuidersee dann bis zur Insel Fanö hinauf bezeichnete eine Kette von Inseln und Sandbänken den alten Zusammen- hang. Auf die holländische Inselreihe folgte mit Borkum die deutsche, bis dann eine Reihe sogenannter Platen, wie z. B. die Tegeler Plate, der hohe Knechtssand etc. uns zur hamburgischen Seewarte Neuwerk führte, von wo aus der Zug sich nördlich wandte. Anfänglich ist hier die alte Düne ebenfalls nur durch Platen, wie z. B. durch den Buschsand, in ihrer Richtung erkennbar. Auf der Halbinsel Eiderstedt wird sie zum ersten Male wieder landfest, um dann über die Inseln Amrum, Sylt, Romö und Fanö auf Jütland überzusetzen.

Wie die Bildung der Dünen vor sich ging, haben wir kennen gelernt, ja, wir konnten den Vorgang auf der Insel Norderney beobachten.

Schwer aber ist es, eine Düne zum Stillstand zu bringen. Immer weiter wird sie von dem vorherrschenden Nordwestwinde landeinwärts getrieben. Die Insulaner an der Westküste Schleswigs haben ein eigen WortSandstaf, d. i. Sandgestöber, für diesen Feind, den sie nächst den Sturmfluten am meisten fürchten, weil er ihnen den grössten Schaden zugefügt hat. Ganze Feldmarken sind von solchen wandernden Dünenketten verwüstet worden, Häuser und Kirchen wurden verschüttet. Um die letzteren entspinnt sich dann ein langer und erbitterter Kampf. Durch die Fenster kriecht das Volk noch zuweilen ins Gotteshaus und lagert sich drinnen auf Sandhügeln, bis endlich der letzte Eingang versperrt wird. Nach halben und ganzen Jahrhunderten

¹16) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 29.