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Auch die schleswig-holsteinische Westküste hat in gleicher Weise zahlreiche Veränderungen durch Landansetzungen zu verzeichnen. Das Wasser nämlich, welches die ehemaligen Niederungen verschlungen hatte, schied die schwereren sandigen Teile aus und verwendete sie zur Dünenbildung. während es die leichteren Humusteile in den ruhigen Buchten ablagerte und dadurch fruchtbare Marschländer schuf, die von der tüchtigen, an den Kampf mit dem Meere gewöhnten Bevölkerung allmählich eingedeicht, dem Meere entrissen und mit Inseln oder dem Festlande verbunden wurden.
So ist das Kirchspiel Büsum im nördlichen Ditmarschen ein preit in das Meer vor- springendes, eingedeichtes Marschland, das, früher eine eingedeichte Insel, erst Ende des sechszehnten Jahrhunderts durch unsägliche Arbeit landfest gemacht wurde.
Das südliche Ditmarschen hingegen, das viel weniger weit vorsprang, nahm mit seinen Eindeichungen schon frühe einen abgerundeten, gegen die Angriffe des Meeres stabilen IImriss an, der nach den Durchbrüchen der Deiche im Jahre 1717 nur um die geringe Breite des Sophien- kooges vorrückend in gleicher Weise ungegliedert blieb. Inzwischen wuchs im Laufe eines halben Jahrhunderts ausserhalb der Deiche mehr Land an. Viele ipselartige Brocken grünenden Landes wurden mit dem Festlande eins. So ward in den Jahren 1785— 87 von der dänischen Regierung der Seedeich 1,8 km im gerundeten Schwunge vorgeschoben und ein grosser Kreissektor von fast 15 km Länge dem Festlande zugelegt. Map naunte den neuen Deich Kronprinzenkoog.
Weil nun das eingedeichte Land so grosse Beschwerden bei seiner Verwertung, d. h. Ver- pachtung, verursacht hatte, liess die Regierung die Eindeichung fallen. Unterdes wurden aber die Aussendeichstrecken unter dem Schutze der Büsumer Halbinsel immer grösser, erreichten schliesslich auf eine Lüngenausdehnung von 36,5 km etwa 500 ha. Da erst fasste im Jahre 1845 die Regierung mit einigem Zagen den Entschluss den Teil der Aussendeiche, der im Iunersten des Meldorfer Busens unter dem Schutze der nördlichen Halbinsel lag, einzudeichen. Mit einem Auf- wande von 300000 Mark wurde ein Damm gebaut, der 7,5 km lang war, über 5 m über die gewöhnliche Fluthöhe hatte und eine Erdmasse von 741984 kbm erforderte. Dafür ward eine Grasfläche von etwa 600 ha gewonnen. Heute ist dies ein Grasland, das durch eine vierjährige Verpachtung die ursprünglichen Kosten decken kann.
Durch solch ein gelungenes Unternehmen ward die Regierung kühn gemacht. Sie führte noch ein grossartigeres Werk aus, indem sie den landzungenartig vorspringenden Aussendeich Dieksand zurückeroberte. Dieses Dieksand, noch um 1648 ein kleines Inselchen, fast 10 km vom Lande gelegen und durch einen Sund getrennt, war im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts landfest geworden. Dadurch war es reif zur Eindeichung. Freilich wurde es nur zur Viehweide benutzt; auch waren einige mangelhafte Deichkränze aufgeworfen, die das Vieh gegen plötzlich eindringende Fluten schützten und Tränken gewährten.
Endlich im Jahre 1817 bauten unternehmende Privatleute weit aussen an der Spitze der Halbinsel einen kleinen Koog, umgaben ihn ringsum mit Deichen und schon fingen reiche Früchte an ihre Mühe zu lohnen, da vernichtete die grosse Flut von 1825 die Dämme und erschütterte den Wohlstand der Gründer derartig, dass für sie ein Wiederaufkommen unmöglich war.
Heute ist die ganze Halbinsel gesichert und mit dem Festlande verbunden; 9,5 km lang, 3,8 km breit ragt die neugewonnene Landzunge, dem Strombette der Elbe parallel, ins Meer hinaus. Fast 82,5 km lang ist der Haffdeich, der gegen den Wogendrang schützt. Seine Enden


