— 13— Erbpacht überlässt. Nur darf die Eindeichung nicht zu früh geschehen, wie bei dem Stadinger Lande am linken Weserufer, das aus diesem Grunde noch fortwährend an Nässe leidet. ¹⁰⁸)
Etwas auders ist der Vorgang an den Flussmündungen, weil da das Wasser weniger salzhaltig ist. Hier stellen sich zuerst Halbgräser wie der, Scirpus, ein, worauf dann eigentliche Gräser, namentlich Glyceria, und das über 3 m hohe Schilfrohr, Arundo phragmites, folgen, welches oft grosse Wälder bildet, die ein reiches Tierleben bergen.
Die Güte des so gewonnenen Landes ist unter sich verschieden. Von keinem übertroffen wird der Boden der Dollartpolder. Hier sind auch z. T. die grössten Polder. Wir nennen nur den Landschaftspolder, der 1752 von Friedrich dem Grossen eingedeicht ward. Sein Flächeninhalt beträgt etwa ½[ Meile, 2,5 qkm; er wurde für 900000 Mark verkauft. Zugleich ist dieser Polder, soweit bekannt, auch der einzige, der eine Kirche besitzt. Ausser ihm sind dann hier noch zu erwähnen der Bunderieteressen- und der Heinitzpolder. Vielfach folgt nach aussen zu nicht unbedeutender Landanwachs. Guthe ¹⁰⁸) perechnet das am Dollart und Ostfriesland wiedergewonnene Land zu 7—◻ Meilen, 385 qkm. Nördlich über dem Dollart ist in der Leybucht, in die früher die Osterems mündete, viel Land dem Meere abgerungen. Wann jedoch diese Emsmündung versandet ist, wissen wir nicht. Erst zu Ende des 16. Jahrhunderts ging man an die Eindeichung dieses Busens. Seit dieser Zeit erfolgte die Verschlammung ziemlich rasch, so dass jetzt Norden, welches direkt an der See lag, 3,75 km weit von der Ley liegt. Dazu verschlammt dies vielgekrümmte Fahrwasser mehr und mehr.
Das Städtchen Marienhaven, das sonst an der Küste lag oder durch einen Kanal mit ihr in naher Verbindung stand, liegt jetzt im Lande. Die Stadt war der gewöhnliche Zufluchtsort Störtebeckers und seiner Gesellen, aber der Kanal, durch welchen sie mit ihren Schiffen in die Stadt gelangten, ist längst versandet und vertrocknet. Sein Name war Störtebeckers Deep. ¹¹⁰)
Die Harlinger Bucht, ein Meerbusen zwischen Ostfriesland und Wangerland, südwürts bis Wittmund reichend, wurde seit 1547 eingedeicht. Im Jahre 1804 wurde bei Karolinensiel der Schweriner Groden gewonnen. Gegenwäürtig ist die Bucht gänzlich verschwunden. ¹¹⁰)
Durch Wiedergewinnung von Land ist ganz besonders der Jadebusen eingeengt worden, und noch immer schreitet die Eindeichung vorwärts, zumal gerade hier eine sehr reiche Schlick- ablagerung stattfindet. Die Absperrung der Weserarme und das Zusammendrängen derselben in ein Bett hat diese Küste sehr verändert. Kaum ist diese Gegend wiederzuerkennen, wenn man die heutige Karte mit früheren vergleicht. Butjadingen und Staderland, die früher z. T. Inseln waren, sind heute landfest, und der Jadebusen hat eine ganz andere Gestalt bekommen. In der Weser- mündung selber bilden sich Inseln, und das Fahrwasser vermag nur durch fortwährende Baggerung für Seeschiffe tief genug erhalten zu werden.
An der sogenannten Liener Platte, welche an der Mündung der von Beverstedt einst herkommenden Liene liegt, hat man ein lebendiges Bild der allmählichen Entstehung und des Wachsens unserer Marschen.
¹06) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., Bd. VIII., p. 14.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 34.
106) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 29.
110) Arends, Ostfriesland und Jever I., p. 60 u. 375.
111) Arends, Ostfriesland und Jever I., p. 41.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 219.


