transport des Rheins über Utrecht nach Amsterdam. Von dieser Vechte geht ein Gewässer nach Westen ab, die holländische Jjssel, welche sich mit dem Maas-Waalmündungsgewässer zwischen Rotterdam und Dortrecht vereinigt. Durch die Gouwe steht sie noch einmal mit dem alten Rheine in Verbindung und ist ein Hauptverbindungskanal zwischen Holland und der Maas, weiterhin auch mit der Schelde.
Fast der ganze Handel Hollands mit Antwerpen und Belgien geht auf der holländischen Jjssel und Gouwe, wohin er durch den südbeveländischen Kanal, die Osterschelde, Krammer, Hollandsdiep, Dordsche Kill, Merwe und Maas gelangt und von wo er sich durch den alten Rhein und andere Arme und Kanäle fortsetzt.
Dieser alte Rhein war noch zur Römerzeit sehr wasserreich, wie bereits oben ausgeführt worden ist. Heute freilich durchströmt nur noch spärliche Flut das schöne, marschenreiche Rheinland-
Etwa seit Karls des Grossen Tode versandete diese Mündung des Rheins völlig, und das Wasser verlor sich unter dem Namen Mallegat in den Dünen. Seit 1807 hat man bei Katwijk dem Flusse eine kanalisierte Mündung verschafft. Um nun sowohl der Versandung und Wiederaus- füllung dieses Dünendurchbruches als auch dem Einbruche der Meeresfluten in das Land durch diese Offnung vorzubeugen, verwahrte man sie mit zwei Steindümmen, die sich weit in die See hinein erstrecken. Drei Reihen Schleusen, jede von der anderen 1500— 2200 m entfernt, verteidigen nicht nur das Land gegen Fluten und Stürme, sondern bilden auch in dem etwa 16 m breiten Rheinkanale Bassins, welche durch die sinnreiche Einrichtung der Schleusen imstande sind allen eiugewehten und eingeschlemmten Sand zur Ebbezeit wieder hinauszuspülen. So wird der Rhein durch eins der grössten hydraulischen Prachtwerke aus seiner Versandung in die See hinausbugsiert.
Mit derselben Kühnheit aber und derselben Aussicht auf Erfolg wie im Rheindelta haben die Holländer auch im Norden ihres Landes den Kampf mit der See aufgenommen. Wir gedachten bereits des Dammes von Frieslands Küste nach der Insel Ameland, der, ein kühner Gedanke, die Aussenseite der Zuidersee verschlammen, Nordholland und Friesland mit Texel, Vlieland einerseits, Terschelling und Ameland andererseits verbinden helfen soll. Dazu sind hier noch zu erwähnen die Uithuizer Polders und die Eroberungen von Land im Dollartbusen. Vier— Meilen, 220 qkm, Land, das meiste auf holländischer Seite, sind hier dem Meere bereits wieder entrissen, nnd es wird die Zeit kommen, wo die Lauwersee zugeschlemmt, der Simonzand und die Gronigerwatt nebst der Uithuizerwatt eingedeicht und urbar gemacht, die Brücken bilden zur Befestigung der Inseln Schiermouik und Rottum an das feste Land.
Nehmen wir nun die Entwässerungsgräben der Meere mit hinzu, dann müssen wir allerdings mit Kohl ¹⁰⁶) bekennen:„Alle Flüsse und Flussarme und Bäche fliessen in Holland nicht in natürlichen Betten, sondern in künstlichen Gräben, die der Mensch ihnen schuf. Die wilden Flussgötter sind dort vollständig gebändigt. Auch dem Meere haben die Holländer Grenzen gesteckt. Sie weisen mit sehr künstlich geformten und berechneten Fortifikationen seine Angriffe zurück und lassen von seiner andringenden Flut nur so viel ins Land, als gut ist, um die Schiffe landeinwärts zu tragen und den Handel zu fördern. Die binnenländischen Seeen, wenn sie zu gross sind, werden ausgepumpt oder beschränkt. Ja, in die Tiefe der Erde steigen die Leute
¹06) Kohl, L., Reiseberichte über die Niederlande.


