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2 (1885)
Entstehung
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Der Krammer steht mit der Osterschelde in Verbindung.

Die Schelde, schon bei Cäsar genannt, ¹⁰⁴) hatte jedesfalls pereits damals die jetzige Lauf- linie, die Verzweigung mit der Maas und dem Rheindelta. Sie ist ein noch deutscher Fluss, ein Seitenfluss des deutschen Rheines, an dem das tüchtige deutsche Volk der Flämen wohnt. ¹⁰⁵)

Der Fluss teilt sich unterhalb Antwerpen in zwei Hauptarme, die Wester- und Osterschelde. Der südliche Arm mündet bei VlIissingen, der rechte, nördliche, das Kreekeraak, teilt sich bei Bergen op Zoom wieder in zwei Arme, von denen der linke, die eigentliche Osterschelde, zwischen Thalen und Schouwen fliesst und durch die Roompot ins Meer geht, während der rechte, Eendragt genannt, zwischen Nordbrabant und Seeland hinläuft und sich durch den Slaak, Krabbe, Ramme- goes und Mosselkreeken in den Krammer und in den Mastgat ergiesst. Man nennt gewöhnlich alle aus der Schelde entstehenden Gewässer dieZeeuwschen Ströme. Zwischen diesem Durcheinander von Maas und Schelde liegen die seeländischen Inseln.

Neuerdings ist nun durch einen 5 ½ km langen Eisenbahndamm von Bergen op Zoom nach Middelburg die Osterschelde abgeschnitten worden. Man muss sie deshalb so lange ausschliesslich als Rheinmündung betrachten, wenn auch ein schmaler durch Süd-Beveland führender Kanal die Schiffahrt vermittelt, bis die Kultur den seichten Fluss- und Meeresboden wiedergewonnen und in Land verwandelt haben wird.

Der rechte Hauptarm oder der Rhein bleibt nur 11,8 km weit ungeteilt. Oberhalb Arnhem spaltet er sich wiederum in zwei Arme, von denen der rechte kleinere 60 m breiteNeue Ijssel oderDrusus Vaart, der linke, grössere, 120 m breite,Rhein heisst. Die neue Jjissel geht nach ibrer Vereinigung mit der alten Jjssel nordwärts bei Kampen in die Zuidersee.

Früher ging 22,5 km unterhalb Arnhem, etwas oberhalb Rhenen ein anderer kleiner Arm, die Eem, in die Zuidersee. Jetzt ist die Eem, mit der sich kleine Zuflüsse vereiuigen, man weiss nicht wann und auf welche Weise, mit dem Rheine ausser Verbindung gekommen und bildet ein kleines System für sich.

Noch eiumal treten Sandhügel, die Amersforter Berge, jedesfalls eine ehemalige Dünen- kette, die einen alten Meerstrand bezeichnet, an den Rhein. Dieser fliesst längs des Südrandes dieser Hügel hin, bis bei der Stadt Wejk bej Duurstede eine Hauptteilung erfolgt.

Der linke grössere Arm, der Leck, führt ¼ℳ der Wassermasse fort. Er vereinigt sich oberhalb Krimpen op de Leck mit der Merwe.

Der rechte Arm oder der krumme Rhein, sonst die Hauptwasserader, jetzt uur der kleine Rest der Rheingewässer, schleppt sich in trägem Laufe mit vielen Krümmungen nach ÜUtrecht. Hier spaltet er sich abermals rechts in die Vechte nach der Zuidersee, links in den alten Rhein, der nach Westen weiter fliesst. Beide Arme wurden bedeicht und kanalisiert. Weil aber der krumme Rhein so sehr abnahm, dass er am Ende nur noch mit kleinen Böten, den sogenannten Schuiten, befahren werden konnte, umging man diesen alten fast unbrauchbaren Rheinarm ganz, indem man 1373 von Utrecht aus direkt zum Leck einen Kanal grub, den sogenanntenNVaartschen Rein, oder die Vaart. Auf diesem und dann weiter auf der Vechte geht nun der Hauptwaren-

104) Caesar, b. G. VI., 33. 105) Frdr. v. Hellwald, Die Erde und ihre Völker, II., p. 205.