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2 (1885)
Entstehung
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12 m weit den Damm hinaufgetrieben werden, durch aus Norwegen herbeigeführte Felsblöcke zu bedecken und zu beschützen, Blöcke, von denen einzelne bis zu 2000 kg wiegen.

Land setzte sich hie und da auch selber an, wie z. B. in den Häfen von Arnemuiden, auf der Insel Walcheren, von Goes auf Südbeveland und von Maarteusdijk auf Tholen. Jedoch die Holländer sind nicht gewöhut, solchen Bildungen ruhig zuzusehen, sondern sie leisten ihnen Unter- stützung und Hilfe. So haben sie in neuerer Zeit unter anderen eine Sandbank zwischen der Insel Goeree und Ober-Flakkee eingedeicht, urbar gemacht und beide Inseln verbunden. ¹⁰²³)

Natürlich müssen derartige Veränderungen auch auf die Schelde-, Rhein- und Maas- mündungen Einfluss ausüben. Und wir haben ja bereits gesehen, wie gewaltige Umänderungen im- Rheindelta stattgefunden haben. Manche Arme sind versandet, wie das ehemalige os immensum der Maas und der Waal, neue sind hinzugekommen.

Daher bildet das heutige Rheindelta auch ein Gewirr von Verzweigungen, die klar zu übersehen und festzuhalten, nicht leicht ist. Wir folgen in unserer Schilderung der Rheinmündungen Daniel, indem wir zunächst einen linken und einen rechten Hauptarm unterscheiden. ¹⁰³)

Der linke IIauptarm, die Waal, welche beinahe ¼ der Wassermasse wegführt, ist zugleich auch der vorzüglichste Schiffahrtskanal. Sandbänke finden sich zwar auch in ihr, aber sie sind nicht so bedeutend als die im nördlichen Hauptarme, welcher den Namen Rhein behalten hat. Namentlich berüchtigt ist hier die Arnhemer Sandbank. Die Schiffe, welche den Wasserweg der Waal einschlagen, müssen zwar einen Umweg von 75 km machen, aber dieser Weg hat den Vorzug, dass die Fahrzeuge jede Grösse haben dürfen, während auf dem nördlichen- Hauptarme die Schiffs- breite wegen der Schleusen 6 ½ m nicht überschreiten darf. Die Waal fliesst annähernd parallel mit der Maas. Die erste Vermischung beider Ströme findet schon in einer Entfernung von etwa 45 km von der Deltaspitze und von dem grossen Maas-Rheinwinkel bei dem Fort Anqdries unweit der Stadt Boemel statt. Diese Verbindung ist durch einen mächtigen Kanal hergestellt worden. Die Hauptmassen beider Flüsse bleiben dabei noch getrennt, um sich dann vollständig bei der Stadt Woudrichen zu vereinigen.

Die Waal geht in westlicher Richtung weiter und teilt sich zwischen Hardingsveld und Werkendam in die Westkill und die Merwe, d. h. Wasser, Fluss.

Die Westkill bildet den 2 Meilen, 1100 qkm, grossen Biesbosch mit etwa 120 kleinen Werdern, heisst nachher Hollandsdiep, das sich zwischen Buitensluis und Willemstad in den 178 km breiten Haringsvliet, später Revier Flakkee genannt, und in den 178 km breiten Arm, der anfangs Volke-Rak, dann Krammer-Grevelingen heisst, teilt.

Der Revier Flakkee geht etwa 5 ½ km breit bei Hellevoetsluis ins Meer, der Krammer- Grevelingen mündet bei Brouwershaven etwa 7,5 km breit.

Die Merwe, der rechte Arm der Waal, setzt den Weg nach Dortrecht fort, teilt sich dort dreifach, indem sie einen Arm zum Hollandsdiep nach Süden, einen andern, die sogenannte alte Maas, nach Westen zum Meere, einen dritten, die Merwe oder Merwede nach Norden sendet. Letztere verbindet sich hier wieder mit dem Leck, und die aus beiden entstehende Wasserader nimmt wieder den Namen Maas an.

¹02) Von Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I., p. 325. ¹⁰3) Daniel, Deutschland, I., p. 446 ff.