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2 (1885)
Entstehung
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nordwärts finden wir von ihnen nur noch auf den Inseln Nordstrand, Pellworm, Amrum, Föhr, Sylt, Romö und Fanö einige Reste. Die übrigen dieser nordfriesischen Inseln, die friesischen Uthlande, wie man sie insgesamt nennt, sind die Überreste der einst hinter den Dünen liegenden Marsch.

Die kleineren von ihnen, die sogenannten Hallige, die ihrer Kleinheit wegen nicht bedeicht sind, werden von den hohen Winterfluten regelmässig überschwemmt und erleiden forkdauorud Abfus 9o) he

Lu beklagen aber ist es, dass vor D den 11. Jarhundert wenige Plnten aGCeinnbt nden Sn. und die wenigen zeigen nur die Jahreszahl und höchstens das Datum. Die Einzelnheiten jedoch, die im Gefolge der Fluten waren, sind der Vergessenheit anheimgefallen.

Saxo Grammaticus nennt diese Küstengebiete Frisia minor, ein fruchtbares, aber niedriges Land, das gefährlich sei wegen der verderblichen Überschwemmungen, denen es ausgesetzt sei. ⁵¹)

Anderwärts werden mehrere Meeresüberflutungen erwähnt, die die Westküste der Herzogtümer heimsuchten. ⁵²)

Alle diese Zerstörungen haben am härtesten die Insel Nordstrand betroffen. ²) Diese Gegend, die Inseln Sylt und Föhr mit einbegriffen, ward damals Nordfriesland genannt und war, wenn man von den scheidenden Bächen absieht, mit dem festen Lande verbunden. Bis zum Jahre 1240 war hier ein sehr angebauter und bevölkerter Landstrich, von Norden nach Süden 67 80 km, von Osten nach Westen 45 60 km breit. Da wo die Hewer das südliche Nordstrand begrenzt, hatte die Flut von 1240 grosse Umwälzungen bewirkt. Zwischen Pellworm und Nordstrand lag an einem sicheren Hafen die Stadt Rungholt und um sie herum eine Anzahl blühender Dörfer. Dieser reiche und fruchtbare Landstrich wurde 1300 ein Raub der Wellen. Sieben Kirchspiele sollen zerstört worden sein. In demselben Jahre ging die Stadt und Festung Mildesborg unter, und ebenso wurde das Marschland von Bökingharde im Amte Tondern zerstört.

Im Norden der Uthlande, westlich von den jetzigen Dünen Sylts, lag an einer Bucht die Stadt Wedingstadt mit altberühmtem Hafen. Damals verschwand auch sie, und Sylt erhielt eine westliche Meeresgrenze, an der keine Schiffe mehr landen und ankern konnten.

Dieselbe Flut löste östlich von Rungholt eine grosse Strecke Moorland ab und trug dasselbe über die Hewer nach Eiderstedt.

Im Jahre 1632 in der Nacht vom 8. zum 9. September verschwanden zwischen Föhr, Amrum und Sylt Dörfer und Kirchspiele, und die frühere schmale Seestrasse dazwischen ward bis auf eine Meile erweitert.

Eine andere Flut, vielleicht die des Jahres 1436, zerstörte das Dorf Eidum westlich Sylt. Dann überschwemmte das Meer im Jahre 1615 ganz Nordstrand, so dass nur zwei Kirchspiele, Pellworm und Trindermarsch, trocken blieben..

Nordstrand selbst hatte bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts noch 30 km im Umfange und war NeFen der Bevölkerung und Ertragsfähigkeit berühmt. Zwar wurde es von immer wieder-

²⁰) Daniel, Deutschland I., p. 6 fl. Guthe, Lehrbuch der Geographie p. 470.

*¹) Saxo Grammaticus III., 260.

*²) Hamsfortii Chronologia ed. Langenbeck.

*³) G. Weigelt, Die nordfriesischen Inseln vormals und jetzt, Hamburg 1873, p. 156 ff.