Das deutsche Meer und seine Süd- und Ostküste,
von
Dr. phil. Albert Ulrici
ordentl. Realgymnasiallehrer.
Teil II.
Die Eider war nach von Maack ursprünglich ein Meerbusen mit vielen Inseln und mannigfaltigen Buchten, in den sich von Norden her die Treene, von Süden her ein kleines, namenloses Flüsschen, das im Isarnho Holsteins entsprang, ergoss. Zu Adams von Bremen Leit ist der Name dieses Flusses Eider. ³⁰) Der grosse Busen war bereits versandet und verschlickt.
Ebenso trennte nach von Maack ³⁸⁵) die Königsau als ein breites Gewässer Schleswig von Jütland.
Schleswig-Holsteins Festland aber ragte in alten Zeiten 15— 60 km westwürts in die See und umfasste nicht nur die gegenwärtigen Marschen und Inseln, sondern reichte sogar über die Sanddünen hinaus. Der Boden dieser jetzt grösstenteils vom Meere verschlungenen Niederungen bestand aus fruchtbarem Sande und Thonschichten, die nach Westen hin etwas höher gelegen waren und hier auf dem festen Gestein ruhten, von dem noch jetzt in Helgoland und in dem roten Kliff auf Sylt Überreste vorhanden sind.
Die Katastrophe kam mit und nach der grossen Flut, welcher der Kanal zwischen England und Frankreich seine Entstehung verdankt. Sie hat als Zeugen ihrer Wirkung die sogenannte Steinahlschicht gebildet und zurückgelassen, welche sich von der Westküste von Ditmarschen an bis nach Vendsyssel bald über 1 m unter der Oberfläche, bald nur einige em tief vorfidet.
Bis zur Mündung der Eider sind alle Dünen zerstört, und die Bewohner sind an der Küste von Ditmarschen lediglich auf den Schutz ihrer Deiche angewiesen. Auf der Halbinsel Eiderstedt dagegen, nordöstlich von der Mündung der Eider bei Tönning, sind die Dünen erhalten, aber weiter
³8) Adam. Brem. de situ Daniae IV. c. 1. 3°) Von Maack, das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erd-. kunde. N. F. Bd. VIII., 128. 1


