Druckschrift 
1 (1884)
Entstehung
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Unterrichtsstoff, sondern nur von Gemütsanlage und Erziehung, wie sie Haus und Umgebung und Schule und Leben am Einzelnen bewusst oder unbewusst üben.

Aber nach dem alten Wort mens sana in corpore sano darf die Schule auch die Sorge für den Körper nicht ausser Augen lassen, für einzelne Teile desselben wie für ihn im ganzen.

Verstand und Gemüt vermögen nicht das Richtige zu leisten, wenn der Körper nicht hilft. Wie wichtig ist die Ausbildung der Sinne für die Schärfung des Denkvermögens wie die Richtung des Fühlens und Wolleus, wie notwendig die Schonung und Behitung der Sinnesorgane für die Brauch- barkeit derselben! Wie bedeutungsvoll ist allgemeine körperliche Gesundheit für die Prreichung der Ziele, die wir uns gesteckt! Wenn wir euch zurufen, ihr Schüler, dass ihr gerade sitzen sollt, dann wollen wir euer Rückgrat vor Verkrümmung schützen, dann wollen wir verhüten, dass eure Brust sich zusammendrückt, dann wollen wir eure Augen davor bewahren, dass sie ihre Sehfähigkeit beein- trächtigen. Wenn wir euch aufstehen lassen bei jeder Frage, dann wollen wir euch nicht bloss an

Anstand gewöhnen, wir wollen euch auch Veranlassung zur Bewegung der Glieder geben, wie sie sich

mit dem Unterricht im Zimmer wohl verträgt. Wenn wir euch in jeder Pause hinausschicken ins Freie und zwischen je zwei Stunden zu diesem Zwecke eine Pause machen, so wollen wir euch die Gelegenheit geben wieder frischere, gesundere Luft, als sie im Zimmer zuletzt war, in eure Lungen aufzunehmen und wollen es zugleich ermöglichen, dass inzwischen neue Luft in Menge den Zimmern zugeführt wird. Wenn wir euch turnen lassen, dann soll euch Veranlassung geboten werden jeden Muskel des Körpers in geordneter Weise zu prüfen und auszubilden. Wenn wir euch auffordern öfters Gänge in unsere schönen Wälder zu machen, wenn wir selbst euch dahin führen, wenn wir euch ans Herz legen Spiele zu üben, in denen Hand und Fuss und Auge ihre Tüchtigkeit zeigen können, dann soll das alles eurem Wohlbefinden dienen, dann wollen wir den Körper gesund zu erhalten oder gesund zu machen suchen, damit in ihm eine gesunde Seele wohnen könne.

Das sind die Aufgaben, die jede Schule, ganz besonders jede höhere Schule sich zu stellen hat. Und wie steht es mit denen des Realgymnasiums insbesondere?

Schon die Unterrichts- und Prüfungsordnung vom 6. Oktober 1859 für die Realschulen erster Ordnung sprach es aus, dass dieselben keine Fachschulen, sondern höhere Unterrichtsanstalten sein sollten, die, wie die Gymmasien, dazu bestimmt wären, eine höhere allgemeine Bildung zu verleihen. Anfangs von dem Besuch der Universitäten ausgeschlossen, sind unsere Abiturienten seit dem Jahre 1870 zum Studium der Mathematik und der Naturwissenschaften und zu dem der neueren Sprachen zuge- lassen worden, und sie haben durch die Ergebnisse ihrer Prüfungen bewiesen, dass sie dessen würdig waren. Vor wenigen Tagen hat ein früherer Schüler unserer Anstalt in Marburg das eramen rigorosun, die Prüfung zur Erlangung der Doktorwürde, mit dem Prädikat magna cum laude, einem selten ver- liehenen Grade, bestanden. Noch werden uns die Zugänge zu anderen Studien streitig gemacht, aber wir werden den Mut nicht verlieren, wir werden unsere Forderung voller Gleichberechtigung mit dem humanistischen Gymnasium immer und immer wiederholen, wir werden dieser Forderung durch die Leistungen unserer Schüler Nachdruck geben, und endlich wird doch das Wort des Schöpfers der Realschule erster Ordnung, des Geheimen Oberregierungsrates Wiese, das er letzte Ostern zu uns, den Delegierten des Realschulmännervereius, in Berlin aussprach, in Erfüllung gehen, das Wort kandem bona causa triumphabit, endlich wird die gute Sache siegen.

Es ist eine gute Sache, für die unsere Schule kämpft, wenn sie die Zulassung ihrer Abiturienten zu allen Universitätsstudien verlangt; sie will und wird damit nicht nur ihrer eigenen Entwickelung,