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Gottes Hilfe den Pflichten des Direktorates gewachsen zu sein, sie giebt mir vor allen Dingen das feste Vertrauen, dass ich in meinen Kollegen stets treue Helfer in meinem Amte, in unserem Berufe finden werde, sie giebt mir die Gewissheit, dass wir einig sind in den Grundanschauungen über das, was unsere Aufgabe ist.
Es werden daher keine eigenen, besonderen, neuen Gedanken sein, die ich jetzt aussprechen werde, wenn ich kurz von den Aufgaben der Schule überhaupt und von denen unserer Schule, des
Realgymnasiums, insbesondere rede, es werden die Ansichten des Lehrerkollegiums sein, denen ich Worte leihe.
Der Endzweck alles Unterrichts, aller Erziehung ist die Erreichung der Selbständigkeit des zu Erziehenden; die Aufgabe der Schule ist, ihre Thätigkeit bei jedem einzelnen ihr anvertrauten Zögling immer mehr unnötig zu machen. Wir haben unser Ziel erreicht, wenn wir einen jeden befähigt haben nun selbständig, ohne fortwährende Leitung im einzelnen, sich für den Beruf fachmässig aus- zubilden, dem er sich zu widmen gedenkt. Zu selbständigem Urteilen, zu selbständigem Wollen und Handeln müssen wir unsere Schüler hinzuführen suchen, wir müssen ihre geistigen wie ihre körperlichen Fähigkeiten zu wecken, ihnen selbst zum Bewusstsein zu bringen, zu üben und dadurch in jeder Weise zu kräftigen suchen, wir müssen sie befähigen tüchtige Bürger ihres Staates, treue Angehörige ihrer Kirchengemeinschaft, nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft zu werden. Wir dürfen uns darum nicht darauf beschränken wollen. Kenntnisse zu geben. Dieselben sind niemals überhaupt der Zweck. vielmehr nur Mittel zum Zweck, nämlich zum Zweck der Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. Dies Mittel hat allerdings vielfach für den speziellen Beruf wie für das Leben jedes Menschen seinen grossen Nutzen, es ist auch für die Schule oft das einzige Mass zur Beurteilung der erreichten Höhe der Geistesbildung, aber es steht doch immer erst in zweiter Linie, die Schulung des Geistes, des Denk- vermögens ist das eigentliche Ziel.
Aber die Denkfähigkeit ist wertlos, wenn ihr die rechte Richtung fehlt, wenn ihr der sittliche Inhalt mangelt, wenn der Mensch keine Ideale kennt. Diese sind nicht Schöpfungen seines Denkver- mögens, nicht von seinem Verstande erzeugt, das Gemüt erfasst sie, der Wille strebt ihnen nach, nicht der Unterricht giebt sie, sondern die Erziehung. Die höchsten Ideale hat uns das Christentum geschaffen, die Religion der Liebe, die den Gedanken von der Zusammengehörigkeit des Menschengeschlechts, von der Gleichberechtigung aller, da alle Kinder eines Vaters sind, erst zur allgemeinen Verbreitung gebracht hat. Wenn wir nur stets das Gebot von der Liebe des Nüchsten mit all seinen praktischen Folgerungen unseren Schülern ans Herz legen, wenn wir nur für jeden einzelnen Fall es richtig auslegen und anwenden, dann erziehen wir zu den höchsten Idealen. Die Ubung der Nächstenliebe macht zum tüchtigen Staatsbürger, denn sie lehrt, dass der Mensch sich an den Menschen reihen soll, dass er allein durch seine Sitte frei und mächtig sein kann; sie macht zum guten Christen, denn sie beweist, dass der Glaube kein toter, also kein Scheinglaube ist; sie macht zum nützlichen Glied der menschlichen Gesellschaft, denn sie hilft die Gesamtheit einander immer näher bringen und so sie dem Ziele entgegenführen, das ihr gesteckt ist, immer besser und vollkommener und freier zu werden. Frei von Selbstsucht und Eigennutz sich in den Dienst seines Staates, seiner Kirchen- gemeinschaft, der Menschheitstellen, das heisstideal gesinntsein, ideales Streben haben, und dazu die Jugend hinzuführen, das ist das höchste Ziel der Erziehung in der Schule. Ideale Geistesrichtung kann daram niemals abhängen von Verstandeskraft und


