Antrittsrede des Direktors.
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Wemn ich in diesem Augenblicke an diese Stelle trete, um nunmehr alle Rechte und Pflichten des Amtes zu übernehmen, dessen Geschäfte ich tpeilweise schon seit einiger Zeit geführt, so sind es vor allem zwei widersprechende Gefühle, die mein Herz bewegen: das Gefühl der Trauer und das der Freude. Trauer erfüllt meine Seele, dass der Mann nicht mehr an dieser Stelle steht, der einst mein Lehrer, dann mein Kollege, dann mein Vorgesetzter gewesen, dem menschliches Urteil noch so manches Lebensjahr zugesprochen hätte, der uns so plötzlich vor Jahresfrist entrissen wurde. Und daneben findet doch auch die Freude Platz, die Freude, dass, wenn denn einmal nach Gottes unerforschlichem Ratschluss Direktor Preime von uns genommen werden sollte, nunmehr kein Fremder seinen Platz einnimmt, der die Menschen und Dinge hier erst kennen lernen, an den wir uns erst gewöhnen müssten, dass die vor zwei Monaten bestätigte Wahl auf mich gefallen ist, der ich seit 15 Jahren dieser Anstalt angehöre, der ich sie habe gründen helfen, der ich ein Jahrzehnt hindurch nicht daran gedacht, sie jemals wieder verlassen zu wollen, der ich jetzt die Hoffnung hege ihr bis an mein Lebensende meine Dienste widmen zu können.
Und mit dem Gefühl der Freude paart sich das verwandte Gefühl des Dankes dafür, dass mir die Stelle zuteil geworden: des Dankes zuerst gegen den Lenker der Menschengeschicke, der es nicht gewollt, dass ich, wozu sich in den letzten Jahren mehrmals die Gelegenheit zu bieten schien, an einem anderen Orte Leiter einer Schule würde; des Dankes gegen Seine Majestät unseren König und Kaiser, dessen Bestätigung meiner Wahl erst mir die Leitung unserer Schule übertrug; des Dankes gegen den Herrn Minister und seine Rüte, die Seiner Majestät die Bestätigung vorgeschlagen, gegen das Königliche Provinzialschulkollegium unserer Provinz, meine vorgesetzte Dienstbehörde, welches diesen Vorschlag befürwortet; des Dankes gegen das Kuratorium unserer Anstalt, den Stadtrat und Bürgerausschuss, die mich zu dem Amte präsentiert, und endlich gegen alle die Freunde und Mitbürger, die an meiner Wahl so lebhaften Anteil genommen, die sie so von Herzen gewünscht haben. Und unter diesen habe ich besonders noch meiner Kollegen zu gedenken, die so einmütig den Wunsch gehegt, dass ich an ihre Spitze gestellt werden möchte. Ich habe schon mancherlei Leid und Enttäuschung in meinem Leben erfahren, es ist mir schon manche Freude und Genugthuung geworden. Mit zu dem Schönsten, was ich erlebt, rechne ich die Thatsache, dass alle meine Kollegen, die älteren wie die jüngeren, voran die beiden, welche das Direktorat während des nunmehr verflossenen Jahres versehen haben, gemeinsam diesem Wunsche Ausdruck verliehen; und diese Thatsache würde, auch wenn die Wahl nicht auf mich gefallen wäre, mir stets hohe Befriedigung geboten haben.
Sie giebt mir aber auch den Mut mit Zuversicht an die Aufgabe heranzutreten, die mir gestellt ist. Sie lässt mich annehmen, dass es keine Selbstüberschätzung war, wenn ich mir zutraute mit
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