Druckschrift 
1 (1884)
Entstehung
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Von den sieben Inseln, die vor der Küste liegen, Borkum, Juist, Nordernei, Baltrum, Langeroog, Spikeroog und Wangeroog ist Borkum die einzige, die sich immer als Insel zeigt. Zu allen übrigen kann man zur Zeit der Ebbe vom festen Lande aus durch das dazwischen liegende seichte Meer zu Fuss gelangen.

Dazu besitzt Borkum, das alte Burchana der Römer, noch Marschland, während die übrigen Inseln nur Reste der alten Dünenkette sind und aus reinem Sande bestehen. Mit dem heutigen Borkum hing auch Juist und Bant vor der Mündung der Ems zusammen. Die damalige Insel mochte etwa 20 ◻Meilen gross sein. Die Ems hat sich einen Weg hindurch gebahnt und Borkum geteilt.

Von der Spitze von Knock aus nämlich ging ein noch jetzt durch den tiefen Klei seines ver- schlammten Bettes recht wohl erkennbarer Arm der Ems in östlicher Richtung ab, um Nordernei gegenüber sich ins Meer zu ergiessen. Zwischen diesem alten östlichen Arme des Flusses und seinem westlichen, der mit der heutigen Westerems identisch ist, lag Borkum. Während nun die alte Oster- ems mehr und mehr verschlammte, bildete sich der Fluss ein neues Bette, die jetzige Osterems, wodurch Borkum in zwei Hälften zerrissen wurde, deren östliche den Namen Bant führte. Im 9. Jahrhundert war Borkum noch sehr ansehnlich, dann traten weitere Stromspaltungen ein, infolge deren Bant sich in drei Eilande, Juist, Buise und Bant trennte. Buise, seit 1657 verschwunden, ist jetzt nur eine Sandplatte, und sein Name wird noch in dem Namen des Buiser Tiefs, der südlichen Fortsetzung des Seegats zwischen Nordernei und Juist erhalten. Die Stelle von Bant, ⁷²) welches noch 1743 als ein kleines Inselchen existierte, wird jetzt durch den Hamburger Sand bezeichnet. Juist aber erleidet an der Nordwestseite so starken Abbruch, dass seine jetzige Kirche seit noch nicht zweihundert Jahren vier- mal hat erneuert werden müssen. ²³)

Ausserdem gehörte zu Borkum noch Ranzel, heute nur eine Sandbank, mit zwei Dörfern, Hamswesten und Etum.*) Noch am Ausgange des Mittelalters bestand Borkum aus vier Teilen, dem jetzigen Ost- und Westlande, dem Knappensande und dem Wolden. Allein im Laufe von nicht ganz hundert Jahren hat die Insel, wie die Karten zeigen, eine auffallende Verkleinerung erlitten. 7⁵) Heute- treiben die Bewohner auf gutem Kleiboden noch ein wenig Ackerbau.

Nordernei, welches seit 1799 Seebad ist, wird durch eine liegende Mauer vorläufig vor weiterer Zerstörung geschützt. Baltrum aber ist unter allen ostfriesischen Inseln diejenige, welche den meisten Verlust erleidet. Noch 1825 nach der grossen Flut mussten Dorf und Kirche von der Westseite nach der Mitte übertragen werden. Spiekeroog ist ebenfalls Seebad. Langeroog, das etwas über 1 km breit ist, wurde durch die Flut des Jahres 1717 mitten durchgerissen, wobei Dorf und Kirche zerstört wurden. Nur wenige Familien leben jetzt noch auf der Insel,*) die in drei Stücke zerrissen ist.

Die Insel Wangeroog, ein Uberrest des alten Wangerlandes, welches einst mit dem Festlande zusammenhing und sich weit in das Meer hinaus ePtreckte. war sonst grösser als jetzt. Fluten haben sie in zwei Stücke zerrissen. Von zwei Kirchdörfern, die ehemals auf Wangeroog standen, ist das vor dreihundert Jahren blühende, alte Mellum an der Nordseite längst ganz vom Meere verschlungen

²²) Büsching, Erdbeschreibung, VI. p. 300.

²³) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 15, 22, 214.

) Arends, Ostfriesland und Jever, I. 50, 82, 91, 92, 317.

²⁵) Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II. p. 123. ²) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 218 und 220.