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Dann wiederholt sich die Erscheinung des Dollart an der Ostseite von Jever in der Jadebucht. Dieser über 3 ◻ Meilen fassende Meerbusen ist ebenfalls neueren Datums. Nach Büsching ⁶⁴) wurde im Jahre 1016 zwischen Jade und Weser ein Stück Land verschlungen, auf dem ein Schloss mit Namen Mellum lag. Die eigentliche Entstehung des Busens jedoch setzt man in das Jahr 1218. Einige Ort- schaften sollen sich bis 1422 darin erhalten haben. Seine jetzige Gestalt erhielt der Jadebusen durch grosse Fluten im Jahre 1509; und im Jahre 1511 wurden nochmals bei einer grossen Flut mehrere Kirchspiele in der Vogtei Rustringen von den Wellen verschlungen. Dann wurde noch 1651, wie Büsching erzählt, 6⁵) Land fortgerissen.
Das Flüsschen aber, welches seinen Namen an diesen ziemlich ansehnlichen Busen überlassen hat, ist so unbedeutend, dass man die Hervorbringung eines solchen Einbruches seiner Gewalt allein oder auch nur z. T. nicht zuschreiben kunn. Arends hat folgende Vermutung aufgestellt: Der Jadebusen war in älterer Zeit ein Landsee, der ein paar südliche Hauptarme der Weser in sich auf- nahm, die dann aus dem See an der Nordwestseite unter dem Namen Made wieder ausflossen, sich zwischen Sande und Schaar auf einer, Accum und Kniphausen auf der anderen Seite hindurch nach Rustersiehl wendeten und in den jetzigen Ausfluss des Jadebusens sich ergossen. Das Flüsschen Jade hält er für eine andere ehemalige Verbindung des Landseees mit dem Meere durch einen Landstrich, welcher die nachmals untergegangenen Kirchspiele Douwens, Band und Bordum enthielt. Arends macht sich also vom Jadebusen das Bild, wie es die Zuidersee in älterer Zeit mehr im grossen darbot. Auch den erfolgten Durchbruch vergleicht er mit dem der Zuidersee und kommt zu dem Schlusse, dass die Binnenwasser das Land bereits in solchem Grade aufgelöst hatten, dass es zum Durchbrechen für das Meer gunz geeignet war. 5)
Dies erscheint auch ganz einleuchtend, und der Einwurf v. Hoffs ⁶*) ist jedesfalls nicht gerechtfertigt, dass diese Entwickelung nicht stichhaltig sei, weil dadurch nicht erwiesen wäre, wie die Verbindung mit dem östlichen Hauptstrome der Weser aufgehoben worden sei. Wir wissen viel- mehr bestimmt und können es historisch nachweisen, dass die Weser bis zum Ausgange des Mittel- alters ein reichverzweigtes, sich bis zur Jade erstreckendes Delta bildete, so dass das Land Butjadingen, jene Halbinsel zwischen Jade und Weser, wie auch Staderland, damals Inseln waren. Die Thätigkeit des Menschen hat diese alten Weserarme in eine Rinne zusammengedrängt. Sie sind aber noch jetzt durch ihre Kleiablagerungen zwischen dem Meere, dem Stader- und dem Butjadingerlande wohl zu erkennen. ˙³)
Die Lienen, deren Bette jetzt durch das Elsflether Tief bezeichnet wird, ging unter dem Namen Westerweser bei dem Dorfe Lienen in der Nähe von Elsfleth ins Land, vereinigte sich bei Loyerberge mit der Rosteder Beke und floss dann in die Jade. Ein Arm davon kehrte bei Käseburg wieder in die Weser zurück. Dieser Fluss wurde ums Jahr 1500 zugedämmt.
Ein anderer grosser, schiffbarer Weserarm, das sogenannte Lockfleth, kam bei Brake aus der Weser, teilte sich in der Nähe von Oveljönne in zwei Arme, von denen der südlichste unter dem Namen Dornebbe in den Jadefluss ging, der nördliche aber an den Kirchspielen Holzwarden, Rodenkirchen
4) Büsching, Erdbeschreibung, IX. p. 613.
65) Büsching, Erdbeschreibung, IX. p. 610.
6s) Arends, Ostfriesland und Jever, II, p. 223— 235.
67) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfäche, I. p. 369. 38) Niebur, Hisstorische Karte von Oldenburg, Oldenburg 1841.


