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Dieses alte flerum ostium Fhenum ging zwischen Vlieland und Terschelling in das Meer, während die Mündungen um Texel, das sonst mit Nordholland verbunden war, erst später durch den Ocean gebrochen wurden.
Beim Einbruche des Meeres bahnte sich der Fluss Flevo seinen Weg um Westworcum, das vom Meere verschlungen worden ist, gerade nach Norden, bildete die Sandbank Breezant, floss dann zwischen Schieringshals und Langezant gegen die Küste von Vlieland und von da in die alte Mündung. Von Vlieland wurden grosse Stücke abgerissen, wie z. B. das ganze Dorf Westvlieland. 5²)
Nach Alting war früher die Insel Wieringen noch Festland. Allein bereits im 4. Jahr- hundert begannen die grossen UÜberschwemmungen Frieslands. Ende des 7. Jahrhunderts war Ter- schelling und Ameland bereits durch ein Fahrwasser getrennt, und im Jahre 1170 wurde alles Land zwischen Texel, Medemblick und Stavoren überschwemmt, Texel und Wieringen wurden Inseln. Neue Einbrüche folgten im Januar 1219, dreimal im Jahre 1220, im Januar und September 1221, 1237, 1246 im October, 1249 im Dezember und 1251. Alles Land zwischen Vlieland und Vliestrom wurde unter Wasser gesetzt und im Süden erweiterte sich das Becken derartig, dass nur die Inseln Urk und Schockland als Landreste übrig blieben. Weitere Einbrüche fanden zwischen 1250 und 1287 statt. Der völlige Durchbruch des Isthmus, der Friesland, jetzt Nordholland, mit Stavoren verband, durch- schnitten durch den schmalen Ausfluss des Rheins, die Ijssel, fand um das Jahr 1295 statt, weil Medemblick zur Zeit des Grafen Florentius V.(1256— 1296) am Ufer eines Meerbusens lag, Stavoren aber im Jahre 1297 das Meer im Süden hatte. Durch diese grosse Flut erhielt die Zuidersee, Südsee der Friesen, ihre jetzige Gestalt und Ausdehnung von etwa 500000 ha. Die eigentliche Zuidersee ist der innere Busen, welcher durch die 2 ½ km breite Enge zwischen Enkhuizen und der Spitze von Stavoren abgeschlossen wird. Der äussere Busen zwischen jener Enge und den Inseln Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland heisst der Vliestrom, die Strasse zwischen dem Helder und Texel das Marsdiep.
Gleichfalls qurch einen Einbruch des Meeres scheint der Lauwerzee der Insel Schiermonik gegenüber entstanden zu sein. 5³)
Von der Emsmündung dann bis zur Elbe, etwa 134 km, sind nur noch schwache Inselreste geblieben. Lassen wir aber den Römer Plinius hier Land und Leute schildern, bevor wir der ein- zelnen Einbrüche selbst gedenken.
Plinius nämlich, der selbst im Lande der Chauken war, berichtet: ⁵⁴)
Das Vorgebirge der Cimbern, welches sich weit in das Meer erstreckt, bildet eine Halbinsel, die Cartris genannt wird. In dieser Gegend sind den Römern 29 Inseln bekannt geworden. Die bedeutendsten darunter sind Burchana, Glessaria und Actania. Burchana wird von uns auch Fabaria genannt, weil dort eine Frucht wild wüchst, die den Bohnen ähnelt.
Dass nun Burchana das heutige Borkum ist, das unterliegt wohl keinem Zweifel, wenn auch weder auf der Insel selbst, noch an den Küsten ein bohnenartiges Gewächs heute vorkommt. Sie musste ja wegen ihrer Grösse in die Augen fallen und verdiente genannt zu werden. Ist Borkum doch heute noch die bedeutendste unter den Küsteninseln und besitzt noch etwas Marschland, während die übrigen nur
19 v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 355 ⁵³) Friedr. v. Hellwald, Die Zuidersee, Mitteilungen der k. k. gaerAph. Gesellschaft in Wien, 1870 p. 248 bis 265.— v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 352 fl.— Reclus-Ule, Die Erde und die Er- scheinungen ihrer Oberfläche, I. p. 494, II. p. 123, 407.— Daniel, Deutschland. I. p. 3 und 4. 5) Plinius h. n., IV. 27.


