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Von der Spitze der Stadt Helder aber beginnen dann die bedeutenderen Meereinschnitte. Die schützenden Dünen sind zertrümmert, ihr Zug nur noch in den vorgelagerten Sandinseln erkennbar, allesamt Reste weggerissenen Kontinents, jetzt Schanzen, die den wilden Sturmlauf des Oceans gegen die Küste brechen, aber von der gierigen Welle auch immer unterwühlt werden.
Plinius ¹⁴⁷) kennt zwischen Texel und Eider 32 Inseln, die sich als schützender Damm längs
der Küste hinzogen. Zwei Drittel sind verschwunden. Sandbänke, Watten genannt, welche zur Ebbe- zeit trocken liegen, von der Flut aber überschwemmt werden, lassen uns den alten Küstenrand Deutsch- lands im Norden noch erkennen. ⁴⁵)
Bis zur Mündung der Ems reicht die heutige niederländische Inselreihe, aus sieben Inseln bestehend, von denen die westliche und grösste Texel neben der Düne noch Marschland besitzt und reiche Viehzucht treibt.
Die Alten besassen von diesen Inseln schon einige Kunde. Neben Plinius erwähnt Strabon die Insel Burchana, das heutige Borkum. Ptolemaios hebt an dieser Küste drei Punkte hervor unter den Namen Phleum, Tekelia und Phabiranon, die v. Ledebur in den heutigen Inseln Vlieland, Texel und Borkum wiederfindet. Anderer Ansicht ist v. Maack.
Die Insel Ameland kommt bei Ekkehard um das Jahr 810 unter der Bezeichnung insola Ambla vor und wird zu Oosterroog gerechnet. Texel, das ehemals noch viel grösser als heute war, wird bereits im 8. Jahrhundert erwähnt. UÜber Vlieland und Terschelling haben wir vor dem 14. Jahr- hundert sonst keine urkundlichen Nachrichten. ⁴⁹)
Auf alle Fälle aber haben bereits früher häufige Wassereinbrüche Land losgerissen und zu Inseln umgebildet. Das Gebiet wenigstens, das nördlich von Enkhuizen und Stavoren lag, war bei der bis in die historische Zeit fortgesetzten Senkung der Niederlande schon vielfach durchfressen, ehe die vollständige Umwandlung des Flevoseees in einen Meerbusen vor sich gehen konnte, der sich heute hinter Texel öffnet und als Zuidersee sich 90 km weit nach Süden erstreckt, Holland zur Halbinsel gemacht hat und einen Flächenraum von 54 ◻Meilen bedeckt.
Die Römer kannten hier nur einen Binnensee, den inneren Teil südlich Enkhuizen und Stavoren. Sie nannten ihn lacus Flevo. Nach Pomponius Mela hat der Rhein durch UÜberschwemmung den See gebildet. Plinius und Tacitus kennen in dieser Gegend mehrere Seeen, deren Ufer von Friesen bewohnt wurden. Mela nennt im Flevussee eine Insel, als deren Uberbleibsel v. Hoff die Inseln Urk und Schockland ansieht. 5⁰)
Der See Flevo stand nach Pomponius Mela nur qurch eine schmale Öffnung mit dem Meere in Verbindung. Drusus leitete durch einen Kanal einen Teil des Rheines, die jetzige Iissel, in ihn ab, um mit seinen am Rhein gebauten Kriegsschiffen durch das flevum ostium Rhenum auf kürzestem Wege die Nordsee und die Emsmündung erreichen zu können. ⁵¹)
4*) Plinius, h. n., IV. 27.
4⁸) O. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 112.
¹³) Fried. v. Hellwald, Die Zuidersee, Mitteilung der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien. 1870 p. 257.
5⁰) Pom p. Melae de situ orbis, lib. III. 2.— Plinius, h. n., IV. 29.— Tacit. annal., I. 60, II. 8, IV. 72. — v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 352 ff.
51) Pomp. Melae de situ orbis, lib. III. 2.— Tacit. annal., II. 8.— Plinii h. n., IV. 29.— Ptolemaios Geogr., I. 2.— v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 354.


