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ufer weggeschwemmt, dass die Kirche, die sonst mitten im Dorfe sich befand, jetzt dicht an der Küste steht. Im Jahre 1570 nahm eine grosse Flut, wobei 400000 Menschen umgekommen sein sollen, nochmals das halbe Dorf mit.
Im Jahre 860 veränderte der Rhein seinen Lauf, überschwemmte das Land und riss so viel vom Ufer mit hinweg, dass der Turm des Dorfes Katwijk, welcher sonst weit vom Meere stand, seit 1719 nahe an das Meer gerückt wurde. Dabei wurde die Rheinmündung verschüttet. Zwei Strassen von Katwijk hatte das Meer nach und nach unterwaschen; sie stürzten nach, 90 Häuser wurden binnen 15 Jahren vom Meere weggespült, und die aræ Britannica blieb mitten in den Fluten zurück. Ihr Unterbau steht jetzt im Meere, und in den Jahren 1752, 1758 und 1768 konnte man beim Zurück- treten der Fluten darüber hinweggehen. ¹⁵)
Im Jahre 1231 begannen sich dann die Haarlemer Seeen zu bilden. Sie erweiterten sich in der Folge, durch Erniedrigung des Dammes bei Sparndam begünstigt, und durch Hinzunahme des Leijdener Spiering, der Oude Maas nebst den umliegenden Morästen und auf Kosten der anliegenden Felder und Ortschaften beständig. Im 16. Jahrhundert waren sie bereits ein Meer, und Holländer und Spanier lieferten auf ihren Fluten Seeschlachten gegen einander. Jeder neue Sturm erweiterte ihr Gebiet, und gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts waren alle Seeen zu einem grossen Binnenmeere zusammengeflossen. Im Winter des Jahres 1836 liess ein furchtbarer Weststurm die Fluten bis zu den Thoren Amsterdams vordringen. Die mit grossen Kosten unterhaltenen Dämme erwiesen sich ohn- mächtig gegen den Andrang des beständig wachsenden Wassers. Die Länge des Meeres betrug 21, seine Breite 10 km und die mittlere Tiefe etwa 4 m.
Grosse Veränderungen gingen dann um Dortrecht vor, indem sich die sogenannte südholländische Waard bildete. Die vereinigten Flüsse Waal und Maas hatten lange schon Unheil gedroht. Das Dorf Waal, das in Urkunden noch 1064 genannt wird, wurde vernichtet. Eine grosse Sturmflut, die in der Nacht vom 19. November 1421 in das Land drang, zerstörte am linken Maasufer das alte Wiel gänzlich, ergoss sich dann durch Grundbrüche nach der Mündung Haringvliet und bildete ein grosses Meer, das sich von Gertruidenberg bis an die Insel Dortrecht erstreckte. Diese Gegend, Bergsefeld genannt, enthielt 72 Dörfer, von denen 22 unter dem Wasser geblieben sind. Das abfliessende Wasser liess an Stelle der bebauten Felder und volkreichen Ortschaften nur Gruppen sumpfiger Seeen, mit Schilf bedeckter Schlammbänke und eingestreuter Inseln zurück, was man insgesamt mit dem Namen Biesbosch, d. i. Binsenbusch, bezeichnet. Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts sollen einige Turmspitzen daraus hervorgeragt haben. ¹⁶)
Von der Mündung der Maas bei Rotterdam bis zum Eingang in die Zuidersee begleitet dann 134 km weit eine unzerbrochene Dünenkette die nordwärts ziehende Küste. Nur eine öffnung ist vor- handen, durch welche nördlich vom Seebade Scheveningen jetzt der kleinste aller Rheinarme bei Katwijk künstlich ins Meer geleitet wird. Eine zweite Offnung ist erst in den letzten Jahren für den Nordsee- kanal durch Menschenhand hergestellt worden.
*⁵) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 347.— Kloeden, Handbuch der Erdkunde, II. p. 137.
¹) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 325.— Reclus-Ule, Die Erde und die Er- scheinungen ihrer Oberfläche, II. p. 123 und 405.— Daniel, Deutschland, I. p. 3.— Vergleiche Spruner-Menke, Karte No. 39.


