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1 (1884)
Entstehung
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die fossa Corbulonis. Länge und Lage sprechen ganz für diese Ansicht, wie auch die von Dio angegebene Ursache, dass der Kanal Überflutungen verhüten solle. Denn in der That wird durch den Kanal von der Maas zum Rheine bei Leijden den Überschwemmungen vorgebeugt und verhütet, dass das Wasser der beiden Ströme bei der Plut Sümpfe und Seeen bildet. Dazu soll bei Leijden noch ein Überrest der alten fossa Corbulonis unter dem Namen Tervliet vorhanden sein.

Mancherlei andere Spaltungen und Veränderungen sind ausserdem im Laufe der Zeit durch Natur und Menschenhand im Rheinmündungsgebiet entstanden. Wir haben schon gesehen, dass der älteste Trennungspunkt von Rhein und Waal nicht immer an derselben Stelle war, wo er sich heute befindet. Schon oberhalb Rees in der preussischen Rheinprovinz fangen nach v. Hoff die Spaltungen des Rheins an. Am linken Ufer zieht sich ein Flussbett hin, der alte Rhein, über Calcar, Cleve, Grothausen bis Schenkenschanz. Am rechten Ufer ist der von Rees über Bienen sich absondernde Arm vom Strome verlassen, wie auch der von Emmerich über Elten gehende.

Noch 1701 trennten sich Rhein und Waal bei Schenkenschanz, welches damals auf einer Insel lag. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts jedoch bemerkte man eine starke Versandung des rechten Hauptarmes.Gleichwie jetziger Zeit, heisst es in den»Monatlichen Unterredungen«, ³⁶)in Holland bei Schenken-Schantz der rechte Arm des Rheines so sehr abnimmet, dass man im Sommer durchwaden kann und füllt das Wasser fast alles in den linken Arm, so man Wahl nennet; deswegen die Herren Staaten oft gerathschlaget, wie man den rechten Arm wieder ausstechen und fegen möge, dass er nicht dermaleins gar zufalle.

Um diesem ÜUbelstande abzuhelfen, wurde 1701 einige Stunden von der Schanze abwärts bei dem Dorfe Pannerden ein 2 m tiefer und 24 m breiter Kanal, der sogenannte pannerdensche oder panderensche Kanal, von der Waal zum nördlichen Rheinarme gegraben. Allmählich ergoss sich eine grosse Wassermasse hinein und bildete ihn zu einem Hauptarme aus, indem in der Folge gleichzeitig der Rheinarm zwischen der Einmündung dieses Kanals und der Schenkenschanze versiechte und ver- sumpfte. Dieses Rheinstück von etwa 11,75 km Länge heisst noch heuteOude Rhijn, d. h. der alte Rhein, ein Name freilich, den übrigens noch eine Menge vertrockneter Rheinarme führen.

Ein anderer Kanal, welcher in eben dieser Gegend von der Schenkenschanze aus zur Abkürzung eines Waalbogens gegraben wurde, der sogenannte bylandsche Kanal, gab wiederum Gelegenheit, dass nun auch dieser ehemalige Waalbogen versandete. Er heisst jetztOude Waal. Die Hauptmasse bahnte sich einen Weg durch den bylandschen Kanal.

Nach Cüsar und Plinius hatten Schelde und Maas früher eine gemeinschaftliche Mündung. ³⁷) Diese ging über Saaftringen, Hulst, Axel, Ijzendijk, Ostburg und Sluis südlich der Insel Kadzand durch den Arm, der im Altertum Seine, Sincfala, jetzt Tzwie(?) heisst. Zu Karls des Grossen Zeiten war sie noch offen. ³⁸)

Otto der Grosse liess im Jahre 949 einen Graben aus der Maas nach dem Ocean graben, fossa Ottoniana oder Hottoniana welche Kadzand von Walcheren abschnitt. Es ist die jetzige Wester- schelde oder der Hont. Hierein floss alles Wasser aus dem linken Arme der Maas und aus der Schelde, während die alte Mündung versandete. Kadzand, welches durch den Ottonischen Graben zur Insel wurde, war ehemals viel grösser als jetzt. Im Jahre 1337 zerstörte eine Uberschwemmung 14 Dörfer

³6) Monatliche Unterredungen vom Jahre 1691, p. 469. ³) Cäsar, b. G., VI. 33. Plinius, h. n., IV. 28 und 31. ³8) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 316.