mündungslande sind grosse, schiffbare Seeen, Sümpfe und Wälder; Meeresarme und Kanäle durch- schneiden dasselbe. ²³)
Aus allen diesen Angaben ist ersichtlich, dass die Trennung des Waals vom Rheine eine uralte ist, die Zeit jedoch, in der sie stattfand, lässt sich nicht bestimmen. Cäsar fand sie bereits vor, und die späteren Nachrichten bestätigen seine Angaben. Auch ist diese Trennung wohl eine natürliche, die nicht durch Menschenhand gebildet worden ist. Nur waren die Verschlingungen der Maas und des Waal nicht immer so geartet wie jetzt, wie auch der erste Trennungspunkt wohl nicht immer an derselben Stelle gesucht werden darf, wo er sich jetzt befindet. v. Hoff ²⁴) in seiner„Geschichte der natürlichen Veränderungen der Erdoberfläche“ sagt, dass bei der 1586 angelegten Schenkenschanze unter Grothausen der Punkt sei, wo sich in den ältesten Zeiten, von denen uns Nachrichten übrig geblieben sind, der Waal vom Rheine getrennt habe.
Ukert ²⁸⁵³) dagegen vermutet und behauptet, der Trennungspunkt müsse etwas weiter strom- aufwärts gewesen sein, weil das chron. Regin. ann. 885 Herispich angebe, Herispich aber wohl das jetzige Spyk auf dem rechten Rheinufer sei.
Für beide Annahmen spricht ganz besonders die Angabe von Plinius, dass die Länge der Insel der Bataver fast 100 Millien, nach unserer Rechnung etwa 150 km betrage. Hat nun der wiss- begierige Plinius selbst in diesen Gegenden, was sehr wahrscheinlich ist, die Länge der Insel gemessen, dann ist allerdings die Schenkenschanze, die etwa 150 km vom Meere entfernt liegt, oder das wenig weiter aufwärts liegende Dorf Spyk der Punkt, bei dem sich vordem Waal und Rhein trennten. Dies wäre der historische Beweis, dass zur Römerzeit die erste Rheinspaltung da gewesen ist, wo sie v. Hoff oder auch Ukert vermuten.
Maas aber und Waal vereinigten sich früher bei Fort Andries, nicht bei Gorkum.
Ausserdem war der Biesbosch noch nicht vorhanden, und die Zuidersee, die jetzt 54 ◻ Meilen umfasst, war zu der Römer Zeiten noch ein Binnensee, namens Flevo.
Manches ist seitdem anders geworden. Schon die Römer haben in militärischem Interesse mit ihrem Unternehmungsgeiste und ihrer Arbeitskraft Verbindungen der Rheinarme unter sich und mit dem Meere hergestellt. Die wichtigsten sind etwa folgende: Der römische Feldherr Drusus, welcher von 15— 9 v. Chr. in Germanien Krieg führte, legte im Rheindelta Kanäle an, die Sueton wegen ihrer Grösse und der dabei zu überwindenden Schwierigkeiten mit Staunen nennt. ²⁶) Freilich die Gegend, wo diese Kanäle waren, wird von keinem Schriftsteller genau angegeben. Wir erfahren nur, dass Drusus die Angriffe zu Lande zu schwierig fand, weswegen er die Germanen zu Wasser zu bekriegen versuchte. Um aber auch die Gefahren, Stürme und Fluten des Oceans zu verringern, verband er den Rhein mit den nördlich darüber liegenden Seeen und dem Oceane. Dadurch wurde die gefahr- volle Fahrt auf dem Oceane bedeutend abgekürzt. Ob nun Drusus hierbei schon früher vorhandene Rheinarme benutzte und sie schiffbar machte, das wird uns nicht berichtet; nur erzählt er, dass man in späterer Zeit aus dem Rheine durch die Seeen in den Ocean schiffen konnte. ²⁷) Man vermutet
¹³)u) Tacit. hist., IV. 12.— Tacit. Germ., c. 34.— Tacit. annal., XIII. 54, XI. 18. ²⁴) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 320.
²⁵⁸) Ukert, Gallien, p. 160. Monument. Germ. hist. ed. Pertz, I. 595.
²⁶) Sueton, Claudius, I.
²⁷) Tacit. annal., I. 60, II. 8, XI. 18.


