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1 (1884)
Entstehung
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Eine Spaltung des Rheins in einen rechten und linken Arm scheint schon in den ältesten Zeiten stattgefunden zu haben. Cäsar é) bereits berichtet, dass der Rhein sich da teile, wo er sich dem Ocean nähere, und zwar in mehrere Arme, die viele und grosse Inseln umschliessen. Diese würden grösstenteils von rohen und wilden Menschen, sogar von solchen Völkern bewohnt, die nur von Fischen und Vogeleiern leben. Dann münde der Rhein in vielen Armen in das Meer. Einer dieser Arme, der Waal, umgebe mit dem Rheine die Inséèl der Bataver und vereinige sich da mit der Maas, wo diese etwa noch 80000 Schritte vom Meere entfernt sei.

Virgil kennt zwei Mündungen des Rheins, während Strabon von mehreren Mündungsarmen spricht, ohne jedoch eine bestimmte Zahl anzugeben. ¹⁷)

Pomponius Mela weiter erzählt, der Rhein teile sich nicht weit vom Meere. Der linke Arm pleibe bis zur Mündung ein Fluss, der rechte aber sei anfangs schmal wie früher. Nachher jedoch treten seine Ufer weit auseinander, und es bilde sich ein See, Flevo genannt, in dem sich eine grosse, gleich- namige Insel befinde. Dann werde der Rhein wieder schmäler und trete als Fluss aus dem See. Das Meer, in welches der Rhein mündet, heisst bei Mela der Ocean, auch der britische Ocean, wührend Strabon das Meer an der Küste Germaniens atlantisches Meer nennt. ¹⁵)

Plinius lüsst den Rhein durch drei Hauptarme ins Meer strömen und nennt den westlichen mit der Maas verbundenenHelium, den mittlerenRhenus, den nördlichenFlevus. Zwischen Helium undFlevus liegen mehrere Inseln, deren grösste die Insel der Bataver fast 100 Millien lang ist. ¹⁹)

Alle drei Namen haben sich erhalten bis auf den heutigen Tag: Der NameHelium nämlich in der Stadt Hellevoetsluis,Flevus in Vliestrom,Rhenus in Rhein. Die Insel der Bataver findet sich in Batau wieder, wie sich der Name bis tief in das Mittelalter hinein erhalten hat. Betuwe nämlich wird das bessere Land genannt, im Gegensatz zu Vetuwe, das fahle, unfruchtbare Land.

Nach Tacitus²¹) ferner ergiesst sich der Rhein in den nördlichen Ocean, den er mare oceantan nennt. Zu Anfang des batavischen Landes teilt sich der Rhein in zwei Arme, von denen der schmälere den Namen und die Heftigkeit des Laufes behält, wo er an Germanien hinfliesst, bis er in den Ocean mündet, der andere, breiter und weniger reissend, strömt an Gallien hin, wird von den Anwohnern Waal genannt, vertauscht aber diesen Namen mit der Maas und fällt mit derselben zugleich in ungeheurer Mündung in den Ocean.

Wir sehen hieraus, dass Tacitus nur zwei Mündungen annimmt, die dritte aber übergeht, wahrscheinlich weil sie künstlich von Menschenhand angelegt war. Bekannt war ihm jedoch die dritte auf alle Fälle; denn er spricht von der fossa Drusiana. ²¹)

Ebenso nennt Tacitus den östlichen Arm nicht wie PliniusFlevus, obgleich ihm der Name nicht fremd gewesen sein kann, weil er ein Castell, namens Flevum, erwähnt. ²²*) Und die Insel der Bataver ist nach ihm vorn vom Oceanus, an beiden Seiten aber vom Rhein umgeben. Im Rhein-

¹16) Caesar, de bello Gallico, IV. 10. ¹¹) Vergilii Aen., VIII. 727, Extremique hominum Morini, Rhenusque bicornis. Strabon, I. 4, ad rod Pyrou*⁵οdα. IV. 1, u⁴‿᷑εαα τινν εακ⁵οα³ςιν rον Pwou. IV. 2, dn rονν εν⁵οα³ιιν roν Pivou.

¹16) Pomp. Melae de situ orb., I. 3, II. 2, III. 3, 6. Strabon, VII. 2, Ardayrir alarra.

¹13) Plinius, h. n., IV. 28, 29, 30, 33.

2²⁰) Tacit. hist., IV. 12. Tacit. annal., II. 6.

) Tacit. annal., II. 8.

²²) Tacit. annal., IV. 72, castellurn, cui nomen Flevum.