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1 (1884)
Entstehung
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Unmittelbar auf den Sandschichten, die das untere deutlich erkannte Glied der Bodenschichtungen unserer Küstengebiete bildet, ruht diese Dargschicht. Ihre Mächtigkeit ist ungleich. Im Mittel beträgt sie etwa 60 cm bis 1,30 m. Während sie aber in Ostfriesland bis zu 5 m anwächst, hat sie sich bei Brokdorf in Holstein bis zu etwa 6,60 m entwickelt.

Das Vorkommen von Bäumen in dieser Dargschicht lässt sie als eine Süsswasserbildung erscheinen, da Bäume in einem Boden, der fortwährend vom Meerwasser benetzt wird, nicht gedeihen.

Die untermeerischen Wälder der Küste, die besonders östlich von Sylt am Hallig Oland sich finden, scheinen zugleich mit dem Darge entstanden zu sein. Sie bestehen aus Birken-, Eichen- und Fichtenresten. Die Wurzeln reichen bis tief in den Sand hinab, und die Stämme zeigen durch ihre Lage nach Ost, dass sie von müchtigen Stürmen geknickt wurden.

Bei Husum in Schleswig beträgt die Mächtigkeit des Darges etwas über 1 m, die Dicke der Baumschicht, hauptsächlich Zweige und Stämme von Birken, ebensoviel. Dargbildungen unter dem Spiegel des Meeres treffen wir von Jütland bis zur Scheldemündung, ja auch an der Aussenseite der Dünen. Letztere sind ebenfalls Süsswasserbildungen und durch Landverlust erst nach ihrer Bildung an die Aussenseite gekommen. Nach Oskar Peschell⁰) nämlich bleibt das Verhältnis des Meeres zum Lande nicht immer dasselbe, sondern wird durch Hebung und Senkung der Continente stets ver- ändert. Einem Hebungsgebiete entspricht gewöhnlich ein Senkungsfeld, wie z. B. Nordskandinavien mit Finnland sich im Jahrhundert etwa 1,30 m heben, während Südschweden sinkt. Ebenso beklagen wir längs der ganzen Nordküste unserer Heimat einen Verlust an Land und z. T. an senkrechter Höhe.

Eine solche Senkung betraf auch damals die Küste des deutschen Meeres. Ihre Grösse aber scheint an den verschiedenen Orten verschieden gewesen zu sein. An der Westküste Schleswig-Holsteins betrug sie wenigstens 3 bis 4 m, wie aus den untermeerischen Wäldern von Birken, Eichen und Fichten bei der Hallig Oland bei Tondern und im Husumer Hafen hervorgeht.

Plötzlich auch muss hier die Senkung eingetreten sein; denn das Holz der Stämme der unter- meerischen Wälder ist noch wohl erhalten, was bei langsamer Senkung und der zerstörenden Einwirkung der Luft nicht der Fall sein würde.

Durch diese Senkung aber kamen auch die Moore hinter den Dünen unter den Meeresspiegel. Die Dünen selbst vermochten jetzt dem Drucke des höher stehenden Meeres nicht mehr zu widerstehen, mussten nachgeben, wurden von den Fluten zerbrochen, welche dann das dahinterliegende Land und die Moore überschwemmten.

Jede Flut nun, die durch die ffnung der Dünen hindurchdrang, lagerte dort eine feine Erd- schicht ab, die nach und nach dicker wurde. Auch verstärkten z. T. die durch Flüsse zugeführten Schlammteilchen die Marschbildung. Das Hauptmaterial jedoch zu dieser Bildung, den Marschthon, Schlick genannt, lieferte die See.

In der Tiefe der Nordsee nämlich spielt die Braunkohlenformation eine grosse Rolle. Diese lieferte sowohl den Thon der Marschen, als auch den Sand der Dünen. An Orten aber, wo das Wasser sich in Ruhe befand, setzte die See die aufgeschwemmten Erdteile bald langsamer, bald schneller ab. Eisfluten vor allem bewirkten eine stärkere Schlickablagerung, weil das Eis der Watten mit Thon sehr stark geschwängert ist. So hinterliess z. B. die Eisflut vom 7. und 8. Januar 1839 an vielen Stellen eine 2 ½ em dicke Schlickschicht.

¹⁰) 0. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 115 ff.