des Windes ein, so wird sich der Luftstrom sofort an diesem Hindernis brechen, zurückgeworfen werden und so einen kleinen Wirbel bilden. Dadurch aufgehalten, werden sich die Sandkörner, die der Wind mit sich führte, allmählich jenseits der Pfahlreihe absetzen, bis der Gipfel der kleinen Düne sich genau in gleicher Höhe mit der idealen Linie befindet, die das Ufer mit dem höchsten Punkte des hindernden Gegenstandes verbindet. Der Sand, den der Seewind vor sich herjagt, und der über die geneigte Ebene, wgelche die Vorderseite des Hügels darbietet, hinansteigt, lässt sich dann nicht mehr in Wirbeln zurück- treiben, sondern übersteigt den kleinen Graben, der in Folge der Wirbelbewegung der Luft vor der Pfahlreihe entstanden ist und fällt jenseits nieder, um sich allmählich auf der Rückseite des Hinder- nisses anzuhäufen. So hat sich seit dem Anfange dieses Jahrhunderts im Osten von Nordernei eine Dünenreihe von ziemlich bedeutender Ausdehnung gebildet.
Eine derartige Düne, die aus reinem Sande aufgebaut und vollständig ausgebildet ist, pflegt aus mehreren, durch Längsthäler, Dellen nennen sie unsere Inselbewohner, geschiedenen, parallelen Hügelzügen zu bestehen. Querrisse, Leegten genannt, die manchmal bis ans Meer geben und dann Schloppen heissen, teilen die Düne in einzelne Kegel und Hügel.
Die Vegetation der Dünen ist in der Regel eine spärliche, die Thäler jedoch im Innern bieten, wenn sie recht wasserreich sind, wegen ihres Pflanzenreichtums ein treffliches W9eideland. Bekannt in dieser Hinsicht ist ja der Reichtum an Pflanzen auf der Insel Borkum. ³)
Hinter diesen Dünen aber, die nur an wenigen Stellen durch schmale Offnungen den in zahl- reiche Rinnen geteilten Flüssen Ausgang gestattet zu haben scheinen, bildeten sich meistenteils weit- ausgedehnte Sümpfe, eine Bildung. die wir mit den heutigen 6tangs an der Südküste Frankreichs ver- gleichen können.
In diesen Sümpfen entwickelte sich dann eine reiche Sumpfvegetation von wasserlebenden Moosen, Gräsern und Halbgräsern, die durch ihre dicke Blattdecke auf der Oberfläche des Wassers den Sauer- stoff der Luft allmählich ganz ausschloss. Verschwand dann im Herbst diese Decke der Wasserpflanzen, so wurde sie von einer Sommer und Winter ausdauernden Decke von Moosarten ersetzt, die stets dicker wurde. Es begann nun die Torfbildung, indem sich unten Humussäure bildete. Durch das jährliche Absterben der unteren Moosst engel aber, bei dem Ausschlusse der Luft und dem Dasein von Humus- säure wurden die Stengel leicht in Torf verwandelt und sanken zu Boden. Die Erle sammelte dann vermittelst ihrer sich lang ausstreckenden und viel wasserbedürfenden Wurzeln den schwimmenden Torf um sich und befestigte ihn. War dann das Moor so angewachsen, dass die untere Torfschicht bis an die obere Moosdecke reichte, das Moorwasser in der Mitte zwischen Torfschicht und Moosdecke ver- schwunden, so war ein reifes Moor entstanden,*) im Gegensatz zu den trügerischen, unreifen Grünlands- mooren.
Die Reste dieser Sumpfvegetation, die durch den den Gräsern eigenen Reichtum des Halmes, den Reichtum der Blätter an Kieselsubstanz vor gänzlicher Zerstörung geschützt worden sind, liegen wohlerhalten in der Torfschicht, die unmittelbar unter dem fetten Thonboden der Marsch sich befindet. Man bezeichnet sie mit dem Namen Darg.
³) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 10 ff.— Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II. p. 147 ff.
*) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., B. VIII. p. 10.— DDr. J. Hann, F. v. Hochstetter und A. Pokorny, Allgemeine Erdkunde, II. 118, 209. III. p. 305. — Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, I. p. 65 u. 366.


