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[1] (1873)
Entstehung
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das geringe Volk wider die Prälaten aufgereizt. Aus diesen und anderen Gründen befehle ihm der König nach dem Beschlusz der Bischöfe seines Reiches, dasz er von dem päbstlichen. Stuhle herabsteigen solle. Die Schluszworte sind: Ego Heinricus dei gratia rex cum omnibus episcopis nostris tibi dicimus: Descende, descende, per secula damnande. So hat Pertz, und auch im Codex Udalxrici findet sich das per secula dampnande, während Bruno blosz descende hat, was mir das den Verhältnissen entsprechendere und darum richtigere zu sein scheint. Der schlimmste Vorwurf ist auch hier: in regiam potestatem nobis a deo concessam exurgere non timuisti, quam te nobis auferre ausus es minari, quasi nos a te regnum acceperimus, quasi in tua et non in dei manu sit vel regnum vel imperium. Uebrigens ist bemerkenswert, dasz dieser Gedanke in diesem Schreiben des Königs an den Pabst in viel milderer Weise auttritt, als in dem Auszug aus demselben, den er den Römern mitteilt. In dem Briefe an die Römer hatte er diese von seinem Schreiben an Gregor unterrichtet, indem er ihnen den Gedanken- gang des gröszeren Briefes in der Kürze mitteilte). Heinrich wählt die stärkere Form des Ausdrucks im Auszug des Briefes an die Römer, weil er dieselben gegen Gregor aufreizen wollte; er wählte die mildere und der Wahrheit entsprechendere Form im Hauptbrief an Gregor, weil er diesem gegenüber die Wahrheit der Aeuszerung zu vertreten hatte. Auch wird hier nicht sowol der Hauptnachdruck auf die unziemliche Aeuszerung als solche gelegt, als vielmehr auf den Gesichtspunkt, von dem aus dieselbe gethan ist und auf dem sie beruht, nemlich, wie überhaupt nur Gregor annehmen kann, dasz er irgend welches Recht besitze, dem Könige das Reich zu nehmen.

Welches war nun die Antwort des Pabstes auf diesen Brief des Königs? Sie bestand in der Excommunication desselben; diese geschah am 22. Februar 1076 in der Salvatorkirche zu Rom. Die Einzelheiten der römischen Fastensynode, sowie die Reden des Pabstes, die der Excommunication vorangiengen, sind ausführlich zu lesen bei Paul von Bernried ²).

Das Anathem Heinrichs IV ³) beginnt mit einem Anruf an den h. Petrus, das Haupt der Apostel, also: Beate Petre, apostolorum princeps, inclina, quaeso), pias aures tuas nobis et audi me servum tuum, quem ab infantia nutristi et usque ad hunc diem de manu iniquorum liberasti, qui me pro tua fidelitate oderunt et odiunt. Darauf ruft Gregor ihn und die Mutter Gottes und Paulus zu Zeugen an, dasz die Römische Kirche ihn wider seinen Willen zum Pontificate genõtigt habe s5). Deshalb ist er vom Glauben erfüllt, dasz die Christenheit, speziell dem Petrus anvertraut, auch ihm gehorchen müsze. Ihm sei die Schlüszelgewalt gegeben, zu binden und zu lösen. In dieser Ueberzeugung spricht er nun König Heinrich, dem Sohne des Kaisers Heinrich, der in unerhörtem Uebermut sich gegen die Kirche aufgelehnt hat ³), die Regierung des gesammten deutschen und italischen Reiches ab, entbindet alle Christen vom Eid gegen ihn und untersagt einem jeden, ihm wie einem Könige zu dienen. Denn es sei in

1) Haec series epistolae nostrae ad Hildebrandum monachum: Das ist(kürzlich) der Gedankengang unsres Briefes an den Mönch Hildebrand. 2) Watterich I. p. 512 etc. 3) Paul von Bernried bei Watterich I p. 516; bei Petrus Pisanus ebendas p. 295; bei Bruno, Pertz VII p. 353 und 354 und im Registr. Greg. bei Jaffé II p. 223 und 224, III, 10a. 4) Wie auch Bruno hat, dagegen bei Paul v. Bernried u. Petr. Pisanus: quaesumus. 5) Quod tua sancta Romana ecelesia me invitum ad sua gubernacula traxit. 6) Qui contra tuam ecclesiam inaudita superbia insurrexit.