Druckschrift 
[1] (1873)
Entstehung
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Wünschen Gregors gerade entgegen gekommen. Nunmehr nimmt sich der Pabst in befriedigter Weise des Königs an und, wie wir gestehen müszen, mit einer gewissen Redlichkeit und Aufrichtigkeit. Auf der anderen Seite ist ersichtlich, dasz Heinrich bald erkannte, er sei dem Pabste gegenüber zu weit gegangen, und dasz er sich bemühte, allmählich wieder den Rückzug anzutreten. Und gerade hierin lag auch wieder ein politischer Fehler des Königs. Dasz er so weit gieng, war nicht recht; war er aber einmal so weit gegangen, so muste er auch die Bundesgenoszenschaft mit Gregor mehr respectieren.

Die versöhnliche Haltung Gregors, nachdem durch den König jener Schritt des Entgegen- kommens gethan war, spricht sich ferner im Brief vom 20. Dezember 1073 an die sächsischen Fürsten aus*). Es bekümmert ihn hier der Zwiespalt, der zwischen den Sachsen und Heinrich besteht; er ermahnt sie in aufrichtiger Weise zum Frieden und gibt ihnen die Versicherung, dasz er auch beim Könige dahin wirke, dasz er sich des Kampfes enthalten möge. Es spricht sich in diesem Briefe eine unparteiische Gerechtigkeit aus, die gern jedem das Seine geben will.

Allmählich kommt jedoch Gregor zu der Erkenntnis, dasz es dem Könige mit seinen Versprechungen, die er gegeben, nicht ernst ist, namentlich zunächst in der Mailänder Angelegenheit. Dies spricht sich im Briefe vom 7. Dez. 1074 aus ²2). Und in einem Schreiben von gleichem Datum ³) schüttet Gregor dem Könige gleichsam sein Ilerz aus und offenbart ihm seine Liebe mit den schönen Worten: Si Deus modo aliquo suae pietatis concederet, ut mens mea tibi pateret, indubitanter scio, sua largiente gratia nullus te a mea dilectione posset separare. Ja, fährt er fort, ich hoffe es von Gottes Barmherzigkeit, dasz es sich noch einmal klar zeigen wird, wie ich Dich mit aufrichtigem Herzen liebe, Dich, den Gott auf den Gipfel jrdischer Macht und Herrlichkeit gestellt hat. Dann klagt Gregor über die, welche sich bemühen, täglich Zwietracht zwischen ihm und dem Könige zu säen, und schlieszt mit den Worten: Darum ermahne ich Dich, teuerster Sohn, wende von solchen Dein Ohr ab und höre lieber auf die, welche nicht das Ihre suchen, sondern was Christi ist.

Ist es nicht die aufrichtige Sprache der Liebe, die in diesen Briefen laut wird? Gregor fühlt, dasz ein Wendepunkt herannaht, dasz er den König wieder verlieren könnte, und er möchte ihn nicht wieder verlieren. Allein selbst die rührenden Worte väterlicher und beküm- merter Liebe halten den König in seinem Rückgang nicht auf. Gregor überzeugt sich davon immer mehr und mehr, doch gibt er die Hoffnung, den König zu retten, noch nicht auf. Dahin gehört der Brief vom 20. Juli 1075 4). Doch die Entteuschung Gregors vollzieht sich von Stufe zu Stufe weiter, er vermag dies nicht mehr sich selbst zu verbergen und kann es nicht allein für sich behalten. Er musz sein schmerzlich bewegtes Herz vor den Freundinnen ausschütten, die ihm von ganzer Scele ergeben sind. Diesem Gefühl leiht er in dem Briefe vom 11. Sept. 1075 5) an Beatrix und Mathilde Ausdruck. Ja, er gesteht es hierin ganz offen, dasz der König den Frieden mit ihm nicht wolle ⁵⁴).

Dann noch einmal wendet sich Gregor an Heinrich, ehe eine offenkundige Aenderung in seinen Gesinnungen eintritt, in einem Schreiben von 1075, welchem das Datum fehlt*). Darin

1) Registr. I, 39. p. 58(Jaffé). 2) Registr. II, 30; p. 142. 3) Registr. II, 31; p. 144. 4) Registr. III, 3; p. 205 u. 206. 5) Registr. III. 5; p. 209 u. 210. 6) Ibid. quia ipse nequaquam hanc cupiat pacem componi. 7) Registr. Greg. ed. Jaffé III, 7; p. 212 ete.