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II. Die unmotivierte Interwerfung des Königs unter den Pabst und deren Folgen.
Als Otto von Nordheim die Sachsen zur Empörung gegen Heinrich aufgerufen hatte, diese den König auf der Harzburg überraschten und ihn zu jener denkwürdigen Flucht durch die Einöden und Wildnisse des Harzes getrieben hatten, als mit einem Male ein jäher Wechsel im Leben Heinrichs eingetreten war, und er in jugendlichem Alter zum ersten Male die Bitterkeit des Unglücks kennen gelernt hatte: da, so scheint es, verlor er für einige Zeit seinen ange- bornen Mut und liesz sich vom Unglück überwältigen. Anders wenigstens läszt sich nicht jener merkwürdige Brief erklären, den er nach der Flucht von der Harzburg an den Pabst richtete. Derselbe findet sich im Registrum Greg. I, 29, a. Man wird von dem Inhalt des Schreibens eigentümlich berührt. Dieses Schreiben war ein weiterer politischer Fehler, den Heinrich begieng. Er tritt durch diesen Brief ohne berechtigte Veranlaszung zu dem Pabste in ein abhängiges Verhältnis.
Nach einem demütigen Eingange redet der König von der engen Verbindung, in welcher nach höherem Auftrag Königtum und Pabsttum stehen sollen. Dann gesteht er ein, dasz er dem Pabste nicht immer die schuldige Ehre erwiesen, dasz er das Schwert der Gerechtigkeit nicht nur gegen Schuldige gezogen*). Nunmehr sei er aber durch Leiden zur Erkenntnis gekommen, bekenne seine Sünden dem Pabste und hoffe von ihm zu Gott, dasz er von ihm absolviert werde. Ach, ruft er aus, schuldig und unglücklich, verführt durch die Reize der Jugend, durch die Prärogative der königlichen Macht und durch die Fallstricke Anderer, haben wir gesündigt am Himmel und vor Euch und sind nicht mehr wert Euer Sohn zu heiszen ²2). Wir haben uns nicht nur kirchliche Rechte angemaszt, sondern auch Unwürdigen, vom Gifte der Simonie Angesteckten, die nicht offen und ehrlich durch das Hauptthor einge- treten sind, sondern durch Hinterpförtchen sich eingeschlichen haben, die Kirchen verkauft. Da wir nun nicht ohne Euch die Kirchen verbeszern können, so suchen wir Euern Rat und Beistand dazu auf und werden Euern Befehl in allem pünktlich vollziehen. U. S. w.
Heinrich mochte damals, als er dies schrieb, an der Hilfe in Deutschland verzweifeln und glauben, dasz er seine Stellung rette, wenn er sich bedingungslos dem Pabste in die Arme werfe. Welcher Jubel im Lager Gregors über diesen Brief entstand, geht aus mehreren Stellen der Briefe kervor.
Im Briefe an Herlembald ³), das Haupt der Pataria in Mailand, der vom 27. September 1073 datiert ist, sagt Gregor: Henricum regem praeterea scias dulcedinis et obedientiae plena nobis verba misisse et talia, qualia neque ipsum neque antecessores suos recordamur Romanis pontificibus misisse. Das war eben leider! nur zu sehr wahr. Auszerdem hatte Heinrich dem Pabste den Wunsch zu erkennen gegeben, dasz er wegen der streitigen Punkte ohne Ver- mittlung Anderer direct mit ihm selbst in Unterhandlung treten wolle, und hierin war er den
1) Reg. Greg. ed. Jaffé p. 47: Gladium non in reos, ut justum fuit, judiciaria semper censura evaginavimus. 2) Ibid. p. 47: Eheu eriminosi nos et infelices partim pueritiae blandientis instinctione partim potestativae nostrae et imperiosae potentiae libertate partim etiam eorum, quorum seductiles nimium secuti sumus consilia seductoria deceptione peccavimus in coelum et coram vobis et jam digni non sumus vocatione vestrae fliationis.— 3) Registr. Greg. ed. Jaffé I, 25, pag. 42.


