Druckschrift 
[1] (1873)
Entstehung
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parere. Geht man nun von der Angabe Bonizos aus, dasz Gregor von Vercelli als Heinrichs Bevollmächtigter bei der Weihe Gregors VII zugegen war, und betrachtet man dies als fest- stehende Thatsache, so würde dann wohl ein diplomatischer Verkehr zwischen Heinrich und Gregor wegen der Pabswahl stattgefunden haben, und er müste auch mehr Erfolg gehabt haben, als Siegbert von Gembloux in seiner Streitschrift einräumen will. Mag dem nun sein wie ihm will, soviel steht fest, dasz der König durch Unterlaszung positiver Masznahmen gegen Gregor, dessen Wahl eine entschieden ungesetzliche war, sich eines guten Rechtes begab, indem er zur rechten Zeit von demselben Gebrauch zu machen versäumte. Sein Schweigen muste als eine Billigung der Wahl angesehen werden, und kam er drei Jahre später auf die Anfechtbarkeit der Wahl Gregors zurück, so waren da seine Rechte gewissermaszen verjährt. Er hätte sie ent- weder zur rechten Zeit nachdrücklich verfolgen oder nachher auch davon schweigen müszen. Die Unterlaszung nachdrücklicher Maszregeln gegen Gregor unmittelbar oder bald nach der Wahl ist ein politischer Fehler, den Heinrich IV begangen hat und den er schwer hat büszen müszen. Er drückte damit dem Unrecht des Gegners in den Augen der Welt den Stempel der Rechtmäszigkeit auf.

Die sichersten Belegstellen für das Verhältnis, in welchem Gregor nach der Pabstwahl zu Heinrich stand, finden sich im Registrum Gregorii, und ich will dieselben zunächst zu sammenstellen. Im Briefe an Herzog Gottfried von Niederlothringen, der vom 6. Mai 1073 datiert ist?), spricht Gregor, wie sehr ihm der König am Herzen liege. Er liebt den König und ist für dessen Heil besorgt, setzt aber auch voraus, dasz er seinen Willen thue; sollte er sich darin teuschen, so wirft er ihm den Fehdehandschuh hin. In ähnlicher Weise äuszert sich Gregor im Briefe an Beatrix und Mathilde ²), der vom 24. Juni 1073 datiert ist, nur dasz er gegen den Schlusz des Briefes hin nicht die Worte des Jeremias anführt: Verflucht sei, wer sein Schwert vom Blute fern hält. Gregor will religiöse Männer zum Könige schicken, und diese sollen ihn durch ihre Ermahnungen mit Gottes Hülfe für die Liebe zur heiligen. Kirche gewinnen und ihm Anleitung zu einem würdigen Regimente geben. Der Brief an Bischof Bruno von Verona, datiert vom 24. September 1073 ³), schlieszt mit den Worten: Volumus etiam ostendere, quam sincero amore regiam salutem diligamus, si ipse Deo debitum honorem studuerit exequi et formam sanctorum regum, omissis puerilibus studiis, sapienter imitari. Aus den angeführten Stellen geht hervor, dasz Gregor den Wunsch hatte, sich mit dem Könige auseinander zu setzen. Er hat sein Ziel erreicht und ist Pabst geworden. Nun möchte er mit dem Könige ein Abkommen schlieszen, um in Gemeinschaft mit ihm weitere Erfolge zu erzielen. Uebrigens ist in all den Briefen dieser Periode nichts vorhanden, was die Angabe Bonizos bestätigte, dasz Gregor von Vercelli als königlicher Abgeordneter der Weihe Gregors VII bei- gewohnt und durch seine Assistenz auch die Wahl nachträglich gut geheiszen habe.

1) Registr. I, 9: Quodsi nos audierit, non aliter de ejus quam de nostra salute gaudemus... Sin vero nobis odium pro dilectione.... reddiderit, interminatio qua dicitur: Maledictus homo, qui prohibet gladium suum a sanguine(Jerem. 48, 10) super nos Deo providente non veniet. 2) Registr. I, 11. 3) Registr.

Greg. I, 24.