Macht dem Könige damit bereits entwunden, und es ist nur ein Schritt weiter, wenn er ver- langt, dasz der Kaiser ihm unterthan sein solle. Mit der Investitur kam die Kugel der Hierarchie ins Rollen, und es war dann nicht leicht mehr abzusehen, wo ihr Einhalt gethan werden sollte. In der Superiorität des Pabstes über alle weltliche Macht gipfeln die hierarchischen Ideen, sie bilden den Schluszstein zu dem Gebäude, dessen Fundament mit der Inyvestitur gelegt wurde. Die Folgezeit hat nur zu deutlich gezeigt, wie die Päbste dies als das Ziel ihrer höchsten Wünsche betrachtet und erstrebt haben. Und auf der andern Seite wenn der Kaiser am hergebrachten Rechte der Investitur festhielt und dieselbe in seinem Sinne durch- führte, so war nicht ersichtlich, wie eine Reform der Kirche von Rom aus mit durchgreifendem Erfolge durchgeführt werden sollte. Die Bischöfe und Aebte, als Vasallen des Reichs und vom Kaiser eingesetzt und investiert, musten ein gröszeres Interesse am Kaiser haben als am Pabste, und in Zeiten des Conflictes war anzunehmen, dasz sie sich männiglich um den Kaiserthron und um ihren Oberlehnsherrn schaarten. Sie wurden in ihrer Gesammtheit immer mehr von Rom hinweg und einer solidarischen Verbindung unter einander zugedrängt; so konnte es nicht fehlen, dasz über kurz oder lang sich eine deutsche Nationalkirche bildete, und dasz der Kaiser als summus episcopus zugleich ihr Herr und das Haupt dieser Landeskirche wurde. Damit hatte denn der Pabst allen Grund und Boden in Deutschland verloren, es wäre vom deutschen Reich sein Einflusz ausgeschloszen worden, oder wenn er irgend wie daran hätte participieren wollen, so hätte es dann nur unter der Form geschehen können, dasz er in ein ähnliches Verhältnis zum Kaiser trat wie die Bischöfe; mit andern Worten, er hätte des Kaisers Mann oder Vasall werden müszen. Zu diesem letzteren Schritte war durch das kräftige Auftreten Heinrichs III zu Sutri der Anfang gemacht worden, und es war dies der kirchlichen Reform- partei in Italien nur zu gut noch erinnerlich, und sie zitterte vor einer möglichen Wiederkehr solcher Dinge. Darum drängte Hildebrand, die Seecle jener Partei, so sehr nach einer raschen und energischen Benutzung der gegebenen günstigen Zeitverhältnisse, die sich nach dem plötzlichen Tode des groszen Kaisers und während der Minderjährigkeit Heinrichs IV in kaum geahnter Weise so überraschend günstig für den Pabst gestalteten. Allein es fehlte noch die rechte Handhabe, mit der der Pabst dem Kaiser beikommen konnte; die Investitur selbst war ein so lange von dem Kaiser geübtes Recht, dasz es schwierig und bedenklich war, mit einem neuen Investiturgesetz plötzlich und energisch vorzuschreiten. Die eigentliche Handhabe zur Eröffnung des groszen Kampfes zwischen Kaiser und Pabst bot nicht sowol das Investitur- gesetz als vielmehr der Bann des Kaisers dar, wovon später die Rede sein wird.
C. Der frühe Tod Heinrichs III und dessen Folgen.
Es war ein verhängnisvolles Ereignis, dasz Heinrich III schon so frühzeitig inmitten seiner höchsten Entwürfe vom Tode hinweggerafft wurde. Man kann zwar sagen, dasz er einen groszen Teil seiner Lebensaufgabe erfüllt hatte, denn er hatte die kirchlichen Verhältnisse Italiens in seinem Sinne geordnet, er hatte Päbste ein- und abgesetzt und damit die Superiorität der kaiserlichen Gewalt über die päbstliche hinlänglich constatiert; er hatte auch die weltlichen Vasallen seines deutschen Reiches in die ihnen gebührende Stellung herabgedrückt und die wirkliche Oberlehensherrlichkeit der deutschen Krone über die groszen Lehen hergestellt, anderer


