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Das Sommerſemeſter und mit ihm das neue Oſter⸗Schuljahr begann am 21. April 1884.
Die Zahl der Klaſſen wuchs zu Oſtern um eine Parallel-⸗Oſter⸗Quinta. Die Koſten der Unterhaltung dieſer Klaſſe ſowie der Parallel⸗Oſter⸗Sexta fielen der Stadtkaſſe zur Laſt.
In dem von der Stadt Caſſel teilweiſe zur Verfügung geſtellten Schulhauſe(Mauerſtraße 8) waren während des Sommerſemeſters die Klaſſen IIIa, IIIb, IIId, IVa, IVb, Va, Vb, Vla und VIe, während des Winter ſemeſters die Klaſſen IIIa, IIIb, IIId, IVa, IVb, Vb, VIb und VIc untergebracht.
Infolge der Penſionierung des Profeſſors Schorre, der Verſetzung des Dr. Endemann und der Ver⸗ mehrung der Klaſſenzahl rückten die ſämtlichen Oberlehrer vom Profeſſor Dr. Lindenkohl an um je eine Stelle auf und wurden die Lehrer Reinhard und Lohmann als Hülsslehrer berufen.
Arnold Reinhard, geboren zu Unterweißenborn(Kr. Hersfeld) am 4. Juli 1855, ev. Konf., beſuchte und abſolvierte das Gymnaſium zu Hersfeld, ſtudierte in Würzburg, Leipzig und Marburg Mathematik und Naturwiſſen⸗ ſchaften, beſtand am 4. Februar 1881 in Marburg die Prüfung pro facultate docendi, leiſtete Oſtern 1881— 1882 ſein Probejahr am Gymnaſium zu Marburg ab, war dann ein Jahr lang Lehrer am Inſtitut Hofmann zu St. Goarshauſen und zuletzt vom Herbſt 1883 ab ein Semeſter lang Hülfslehrer am Realprogymnaſium zu Biedenkopf. Seit dem 19. Dez. 1881 iſt er Sekonde⸗Lieutenant der Reſerve im Königl. Bayer. 6. Inf.⸗Regiment.
Albert Lohmann, geboren zu Caſſel am 18. Juli 1861, ev. Konf., erhielt ſeine wiſſenſchaftliche Vorbildung im hieſigen Gymnaſium, ſtudierte in Leipzig und Marburg Philologie und Geſchichte, beſtand in Marburg am 1. Juni 1883 die Prüfung pro facultate docendi und leiſtete vom 31. Juli 1883 an ſein Probejahr am hieſigen Gymnaſium ab.
Mit dem Beginn des neuen Schuljahres trat der Schulamtskandidat Dr. Rudolf Brede ſein Probejahr an.
Am 15. Mai beſuchte Herr Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer das Gymnaſium in einer Anzahl von Klaſſen.. Am 25. Mai fiel der Unterricht wegen einer an dieſem Tage in Diez a. L. tagenden Lehrerver⸗ ſammlung aus.
Im Laufe des Sommers unternahmen faſt ſämtliche Klaſſen unter der Führung ihrer Lehrer Ausflüge, und zwar die oberen Klaſſen teils in den Thüringerwald, teils in den Teutoburger Wald. Der kurz nach Oſtern von dem Direktor begründete und ſeitdem unter der techniſchen Leitung des Dr. Brede ſtehende Geſangverein der Primaner machte am 20. und 21. September eine Fahrt nach Frankfurt a. M., Wiesbaden, dem Niederwald und Koblenz⸗Ehrenbreitenſtein. An derſelben beteiligten ſich der Direktor, 7 Lehrer und 59 Primaner.
Die Sommerferien begannen am 6. Juli und dauerten 4 Wochen. An der während derſelben abge⸗ haltenen Ferienſchule nahmen 56 Schüler teil. Während der größeren Hälfte der Sommerferien und dann noch bis zum 15. Auguſt war der Direktor zum Gebrauche einer Badekur beurlaubt. Die Vertretung desſelben war dem Prorektor Profeſſor Dr. Weber übertragen worden.
Die Entlaſſungsprüfung zum Herbſttermine wurde in ihrem ſchriftlichen Teile vom 26. bis zum 30. Auguſt, in ihrem mündlichen Teile am 15. und 16. September unter dem Vorſitze des Herrn Provinzial⸗Schulrates Dr. Lahmeyer abgehalten.
Zur Feier des Sedantages am 2. September fand vormittags ein nicht öffentlicher Schulakt in der Aula ſtatt mit patriotiſchen Geſängen und mit einem Vortrage des Gymnaſiallehrers Wagner über die Schlacht bei Wörth. Nachmittags unternahmen die einzelnen Klaſſen unter der Führung ihrer Lehrer Aus⸗ flüge in die Umgegend.
Das Sommerſemeſter wurde am 27. September mit einer Andacht geſchloſſen, nachdem die Abiturienten bereits am 22. desſelben Monats entlaſſen worden waren. Zu gleicher Zeit verließ der ordentliche Lehrer Lic. theol. Ortel die Anſtalt, um als Oberlehrer an das Gymnaſium zu Hersfeld überzugehen.


