90. Sigillatateller mit aufgedrücktem Augenarztstempel (Katal.-Nr. 6106), gef. am 17. Juli 1904 auf dem Gebiete des Reichen- Claraklosters an der Flachsmarktstrasse.
L(uci) Juldi) Senils] ero-
Ee 97 cod(es) ad asprit(udinem).
„Des Lucius Julius Senex Safransalbe gegen entzünd- liche Rauhigkeit der Augen- lider(Trachom)“.
7:3 Die Ergänzung des Cog-
nomens ist gesichert durch einen in London gefundenen Sigillatateller mit dem Stempel: O. 4ali) Senis erocod(es) ad asp(ritudinem). Vergl. CIL, XIII, 10,021. 231= VII, 1314. Wenn der Londoner Stempel richtig, gelesen ist, so wird man die beiden bis auf die Vornamen gleichnamigen Arzte wohl als nahe Verwandte, vielleicht Vater und Sohn, betrachten können; aber von dem angeblichen 0 ist nicht viel mehr als der Schwanz erhalten, und in der Tat wurde der Stempel früher(vergl. Grotefend S. 73) mit dem Vornamen Lucius ver- öffentlicht. Senis kommt neben Senicis als Gen. des Eigennamens Senea vor.— Über das Heilmittel vergl. Nr. 89.— Die Frage, wie der Augenarzt dazu kommt, seinen Stempel in den noch weichen Ton eines Teller zu drücken, weiss ich nicht zu beantworten; dass damit die auf diesem befindliche flüssige Salbe bezeichnet worden sein soll, wie Grotefend S. 9 anzunehmen scheint, glaube ich nicht. Sollten Ziegler die beiden ver- schiedenen Stempel gefunden und auf die Teller gedrückt haben? Das ist mir auch nicht recht wahrscheinlich! Sonst ist nur noch ein Fall bekannt, dass auf ein Tongefäss ein solcher Stempel, u. zw. mehrmals, aufgeprägt wurde: CIL. XII, 5691. 4= XIII, 10021, 230= Grotefend Nr. 27.— Unser Teller gehört dem zweiten Jahrhundert an.
Vergl. Korrbl. d. W. Z. XXIII, S. 167.
91. Stempel eines Augenarztes(Katal.-Nr. 6084), gef. am
3. April 1903 bei den Grabungen des Vereines auf dem Festungs-Glacis
zwischen Gautor und Bingertor. Grüner Speckstein. H. 5, Br. 32, T. 22 mm.
Derselbe Name steht auf allen vier Schmal-
71 ₰ 0 Seiten, auf den kürzeren sind nur die drei Anfangs- X△S buchstaben angegeben, auf den längeren ist
M△ ANIIIO 09 das Cognomen durch drei Buchstaben bezeichnet,
das Gentile aber ausgeschrieben. Es ist also zu X△ú O) lesen: Oduinti) Oli Mar...„des Quintus Olius Mar...(Heilmittel)“. Dass es der Stempel eine ugenarztes ist, schliesse ich aus Gestalt un G△8‿₰△ 11 0 Material. Solche Stempel, die nur den Namen ohne Angabe eines Heilmittels enthalten, sind auch sonst schon, wenngleich selten, gefunden worden(s. Esperandieu, Signacula medic. ocular Nr. 123, 125 und 164). Grotefend meint a. a. 0. S. 8, dass auf ihnen der Händler, nicht der Erfinder der Salbe bezeichnet sei; wie mir scheint, ohne zureichenden Grund.
Vergl. Korrbl. d. W. Z. XXII, S. 169.


