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4 (1905) Neue Inschriften des Mainzer Museums : vierter Nachtrag zum Beckerschen Katalog ; mit über 100 Abbildungen nach Facsimile-Zeichnungen von Heinrich Wallau / Körber
Entstehung
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- a) Q(uinti) Carmini Quin- V 88 1. MIIVDIIIMNASSO tilianli]h penicilllum) le(ne) 6 KJ.ILIIO ad omne(m) lipp(itudinem)

1 er 09(0). eherectene b) Oluinti) Carmini Quin- 4 AODO D G.IAIC uülianſi] dialep(idos) erocodes 77

7 ad asprit(udinem).

a)Des Quintus Carminius Quintilianus linderndes Schwämmchen gegen jede Art von Augenentzündung, in Eiweiss aufzulösen.

b) Des Qauintus Carminius Quintilianus aus Hammerschlag und Safran hergestellte Salbe gegen entzündliche Rauhigkeit der Augenlider (Trachom).

Z. 1 a. E. war wohl beide Mal das fehlende- I mit dem voraus- gehenden N verbunden, wie es bei a) am Ende des Gentiliciums der Fall ist. Aus Plinius, nat. hist. XXXI, 11(47)(mollissimum genus earum i. e. spongiarum penicilli: oculorum tumores levant es mulso impositi; item abstergendae lippitudini, ulilissime ex agua, tenuissimos esse mollissimosque oportet; imponuntur et spongiae ipsae epiphoris ex posca et ex aceto calido ad capitis dolores und Trogus auctor est circa Lqciam penicillos mollissimos nasci in alto, unde ablatae sint spongiae) ersehen wir, dass penicillus, neben dem auch penicillum vorkommt, abgesehen von der gewöhnlichsten Be- deutungPinsel auch die weichste Schwammsorte bezeichnete. An unserer Stelle muss aber natürlich eine daraus bereitete Salbe gemeint sein. Nun heisst es ausdrücklich in demselben Pliniuskapitel oculorum causa combur- untur ſspongeae] in cruda olla figulini operis, plurimum proficiente eo cinere zontra scabritias genarum, und Ahnliches finden wir bei Dioskorides, so dass man nicht daran zweifeln kann, dass man die Schwämmchen verbrannte und aus ihrer Asche ein Heilmittel bereitete. Der Zusatz ovo erklärt sich aus einer Stelle des Celsus, der VI. 6, 8 von einer Augensalbe sagt: gquo gravior vero quazgue inflammatio est eo magis leniri medicamentum debel, adiecto vel albo ovi vel muliebri lacte und auf einem Augenarztstempel (Grotefend, Nr. 11) heisst es: L. Gaemi Paterni authemer(um) len(e) ex 0(*), acr(e) ex agua). Das Eiweiss diente also dazu, die Schärfe des Mittels abzuschwächen. Dialepidos ist ein aus dem griechischen Aeε*os herübergenommenes Wort und bezeichnet den bei der Bearbeitung des Eisens oder der Bronze entstehenden Hammerschlag. Wenn Plinius nat. hist. XXXIV, 15(46) sagt: squama quoque ferri contra epiphoras oculorum adsumitur, so meint er dasselbe, was hier mit dem Fremdworte diale pidos ausgedrückt ist, und Celsus, med. VI, 6, 5 nennt als Bestandteil einer sehr berühmten Augensalbe des Kleon: squama aeris quod Gταμυωιw appellant(II, 12, 1 heisst es: squamam aeris, quam Aenidæ Taßò Graeci vocant und V, 1: sanguinem supprimunt..... squama ed ferri et aeris atgue huius quoque duaue species sunt, alia tantum aeris, alia rubri aeris. Und noch an vielen anderen Stellen des Celsus u. a. wird dieses offenbar viel gebrauchten Mittels Erwähnung getan. Crocodes deutet auf einen anderen in Augensalben oft vorkommenden Bestandteil, den Safran(·έ⁸σ); auch in demsehr berühmten Mittel des Kleon(s. o.) war Safran ent- halten, ebenso in den zu Nr. 88 aus Galenus mitgeteilten Salben. In einigen wenigen Fällen werden auf einem Stempel zwei Namen genannt, vielleicht die Namen zweier gemeinsam arbeitender Arzte. So wird auf einem angeblich in Gotha gefundenen neben einem Mittel des T. Claudius Apollinaris auch ein solches des Q. Carminius Quintſi)lianus genannt und dieser Stempel ist nach Zangemeister, Archaeol. Anz. 1867, S. 67, durch die eingeritzten Consulnamen des Jahres 204 n. Chr. datiert. Damit wäre auch die Zeit unseres Stempels ungefähr bestimmt, vorausgesetzt, dass unser Q. Carminius Quintilianus wirklich auf dem Gothaer Stein ebenfalls gemeint ist.

CIL. XIII, 10,021. 32. Grotefend, S. 30. Becker, VII B, S. 111.