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4 (1905) Neue Inschriften des Mainzer Museums : vierter Nachtrag zum Beckerschen Katalog ; mit über 100 Abbildungen nach Facsimile-Zeichnungen von Heinrich Wallau / Körber
Entstehung
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c) Becher(Katal.-Nr. 6088) mit der Inschrift miscemische näm- lich den Wein mit Wasser, wie es üblich war; gef. am 8. Januar 1900 in einem Skelett-Grab beim Bau des Hauses Mombacherstrasse 3. Geschenk des Herrn Laubner. Der Hals ist abgebrochen. Vergl. W. Z. XIX, S. 388.

d) Becher(Katal.-Nr. 6091) mit derselben Inschrift, gef. am 15. Juni 1900 in einem Skelett-Grab beim Bau des Hauses Mombacherstrasse 15. Geschenk des Herrn Anderhub.

e) Krüglein(Katal.-Nr. 5019) mit derselben Inschrift; Geschenk des Herrn Hof-Antiquar Reiling vom 30. Mai 1900; Fundort angeblich unteres Moseltal. Der obere Teil des Gefässes fehlt.

f) Gehenkeltes Krüglein(Katal.-Nr. 5018) mit der Inschrift misce mimische mir(mi= mihi) den Wein. Geschenk und Fundort wie oben. Henkel und Hals sind abgebrochen.

Alle diese Inschriften kommen auf Gefässen des dritten und vierten Jahrhunderts massenhaft vor, bes. in der Gegend von Köln(s. CIL. XIII, 10018).

g. Augenarzt-Inschriften.

Die römischen Augenärzte meist griechische Frei- gelassene, wie die Namen zeigen pflegten ihre Salben mit Gummi zu versetzen und dann in Form kleiner, viereckiger Stäbchen, dergleichen man in Reims noch vorgefunden hat, im Schatten zu trocknen und zu verpacken(dagegen sagt Celsus, med. VI, 6, 5, von einem Augen-Heilmittel in der jetzt üblichen halb flüssigen Form: quod gummi hoc non habet, liquidum in pyæidicula servatur). Um sie vor Fälschung und Verwechslung zu schützen, drückten sie ihnen vor völligem Hartwerden eine Inschrift auf, worin der Name des Arztes, des Heilmittels und meist auch der Krankheit, gegen die es nützen sollte, und die Art der Anwendung angegeben war. Die hierzu notwendigen Stempel waren viereckige Täfelchen aus feinkörnigem Stein, in deren Schmalseiten zwei oder vier jener Inschriften verkehrt eingegraben waren. Solche Stempel sind in den westlichen Provinzen des römischen Reiches im jetzigen Frankreich, England und Deutschland in grosser Zahl, sonst nur ganz vereinzelt gefunden worden. Das Mainzer Museum besitzt deren drei und von einem vierten den Abdruck auf einem Sigillatateller.

Vergl. Grotefend, die Stempel der römischen Augenärzte, Hannover 1867; Héron de Villefosse et Thédenat, cachets d'oculistes romains, Tours 1882; Esperandieu, CIEL. XIII, 3, p. 560 610.

88. Augenarztstempel(Katal. Nr. 2412), gef. am 4. Juni 1880 links am Anfang des oberen Zahlbacher Weges auf dem Turnplatze der Mainzer Turngesellschaft. Grüner Speckstein. H. 7, Br. 34, T. 29 mm. Auf der einen Flachseite sind die Buchstaben Q und D als Gravierprobe verkehrt eingegraben.