36 Gerichtsverfaſſung.
wieder ab, und führte die Suppleant⸗ oder Ergänzungsrichter ein, welche den Friedensrichter im Verhinderungsfall zu erſetzen haben. —
Die Attribute, welche die Geſetzgebung den Friedensrichtern zu⸗ getheilt hat, ſind folgende: à) in Civilſachen.
1) Sie ſind Richter in rein perſönlichen und Mobiliarſachen bis zu 100 Francs unter Vorbehaltung der Berufung, bis zu 50 Francs in letzter Inſtanz.
2) Sie erkennen bis zum Werth von 50 Francs in letzter In⸗ ſtanz, und in erſter Inſtanz, wie hoch ſich auch der Werth belaufen mag: über Klagen wegen Beſchädigungen, welche Menſchen oder Vieh an den Feldern, Früchten und Ernten verübt haben; — über Verrückung von Grenzſteinen, Uſurpationen an Land, Bäumen, Hecken, Gräben zc., welche innerhalb des Jahres begangen worden ſind, und über alle andere poſſeſſoriſche Klagen oder Beſitzſtreitig⸗ keiten; — über die Reparaturen, welche den Pächtern von Hof⸗ gütern und Häuſern zur Laſt fallen; — über die von Miethern und Pächtern geſtellten Entſchädigungsanſprüche wegen Vorenthalt⸗ ung des Genuſſes der gepachteten Güter; — über Klagen wegen Verbal⸗ und Realinjurien, wenn die Partheien nicht vor den Straf⸗ gerichten klagen; — über die Vollziehung der Verträge zwiſchen Herrn und Dienſtleuten oder Arbeitsleuten, ſowie über die Zahlung ihrer Löhne. Ueberdem kann ihre Competenz durch Prorogation der Partheien erweitert werden. — Auch üben ſie das Vermittlungs⸗ Amt aus in Prozeſſen, die vor die Tribunale gehören. Dieſes Attribut, das ſchönſte und wichtigſte, was dem Friedensrichter ge⸗ geben, iſt fähig, wenn es gehörig geübt wird, das Inſtitut der Friedensrichter allein ſchon zum ſegensreichſten zu machen. — Siehe im Civilprozeß: „vom Vermittlungsamt.“ Ihre Urtheile heißen „jugements“ wie die der Erſtinſtanzgerichte.
3) Ihnen iſt die Anlegung und Abnahme der Siegel bei Ver⸗
laſſenſchaften zugetheilt; Art. 907— 940 code de procedure civil, ebenſo die Aufnahme von Notoritätsakten, um den Mangel von Geburtsakten zu erſetzen. Art. 70— 72 des code civil; — ebenſo die von Adoptionsakten, Art. 353 ibidem. — von Teſtamenten in Gemeinden, worin die Peſt oder eine anſteckende Krankheit herrſcht,
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