18 Rechtsgeſchichtliche Einleitung.
Jedes privilegirte Forum iſt für immer abgeſchafft. Alle Staats⸗ ſn bürger nehmen vor denſelben Richtern, in denſelben Formen, in 3 denſelben Fällen Recht.
Niemand darf ſeinem natürlichen Richter entzogen werden.
Alle Bürger ſind vor dem Geſetze gleich. uit
Ein bürgerliches, allgemeines Geſetzbuch, eine beſſere Prozeß⸗ uin ordnung, und ein entſprechendes Strafgeſetzbuch ſoll ſofort entworfen i werden. m
So war man alſo in der Gerichtsverfaſſung in kurzer Zeit mit uü Rieſenſchritten vorangeeilt, und wie ſchon geſagt, auch die ſpätere in Zeit behielt die Grundzüge dieſer Organiſation bei. — Manches be⸗ ün wies ſich durch die Erfahrung als unpraktiſch, wie die Wahl der w Richter durch das Volk und wurde bald aufgegeben und die Er⸗ un nennung der Richter der oberſten Staatsgewalt zuerkannt. Aber die in Cardinalſätze haben ſich bewährt bis auf die Jetztzeit. ſin
Nicht ſo raſch, wie das auch natürlich iſt, wickelte ſich der noch ſeiner Umbeſſerung harrende größere Theil des Geſetzgebungswerkes, un das Civilrecht, ab. Die Bearbeitung eines allgemeinen bürger⸗ lul lichen Geſetzbuchs ſchien nicht gelingen zu wollen. Die auf die kon⸗ ii ſtituirende Verſammlung folgende legislative kam nicht dazu, die ui große Aufgabe zu löſen. Auch dem Nationalconvente, obwohl er dem Gegenſtande alle Aufmerkſamkeit gewiſſenhaft zuwendete, war dieſer ini
franzöſiſchen Geſetzgeber der engliſchen Gerichtsverfaſſung und modifizirten die⸗
ſelben nach dem Bedürfniſſe der Franzoſen. — Die Aburtheilung durch Ge⸗ i
ſchworne in öffentlichen und mündlichen Verfahren aber iſt ein uralt germani⸗ M
ſches Inſtitut, das die Angelſachſen aus Deutſchland unter Hengiſt und Horſa ni
nach England gebracht und mit der dem ſächſiſchen Elemente eigenen Zähig⸗ in keit feſtgehalten und dieſes, ſo wie deutſches Recht überhaupt nach harten Käm⸗
pfen mit der normaniſchen Dynaſtie ſich erhalten und fortgebildet haben, ſo 6
daß der Einfluß des römiſchen und kanoniſchen Rechts nicht ſo draſtiſch in ſl
England gegen das germaniſche Recht gewirkt hat, als in Deutſchland ſelbſt zun
und in Frankreich. In dieſes letztere Land hatten bekanntlich die Franken, als „ Ug
ſiegreiche Eroberer das deutſche Recht getragen und unter den Merovingern zur un
Herrſchaft gebracht. — Die völlige Verdrängung des germaniſchen Rechts
aber gelang dennoch nicht dem römiſchen und kanoniſchen Rechte und wir finden
deßhalb, wie ſchon früher gezeigt wurde, in dem Gewohnheitsrechte, das im ue
Norden und Oſten Frankreichs galt, viele Spuren des germaniſchen Rechtes. Ui


