30 Erſter Abſchnitt. Erſte Periode.
Verordnungen ¹) der Könige immer haͤufiger, und erhielten den Nahmen Ordonnanzen ²). Da ſie einen entſchiedenen Einfluß anch auf das Privatrecht aͤußerten, ſo ſammelte man dieſelben, und Barnabas Briſſon ſetzte aus ihen auf Befehl Heinrichs 11l. ein Werk nach der Art des Juſtinianeiſchen Coder zuſammen, welches man die Baſiliken und Code Henry nannte ²); denu damals nannte man jede Samm⸗ ſung einzelner Geſetze, ja ſogar einzelne abgeſonderte Geſetze Codes. Aber auch Heinrichs Code blieb nur eine Privatſammlung, und erhielt nie geſetzliche Kraft; denn die innern Unruhen zogen des Koͤnigs Auf⸗ merkſamkeit von dieſem Werke ab, und Briſſons ungluͤcklicher Tod ver⸗ hinderte deſſen Vollendung, die wir aber nicht ſehr vermiſſen werden, da das Werk keinesweges den Anforderungen entſpricht, die man billigerweiſe an daſſelbe machen könnte. Wichtiger iſt das Edict von Blois, das Reſultat eines 1576 daſelbſt gehaltenen Reichstages. Unter Ludwig Xlil. finden wir einen andern Verſuch zur Annäherung an ein allgemeines Geſetbuch, nämlich die vielumfaſſende koͤnigliche Verordnung(1629), welche von ihrem Urheber, dem Siegelbewahrer Michael von Ma⸗ rillac, den Nahmen Code Michaut oder Code Marillae erhielt. Sein Rachfolger Ludwig XIV. ſuchte beſonders das Formelle der Rechts⸗ pflege zu verbeſſern, und ihm gelang es durch ſeinen ehrwuͤrdigen Kanzler Segnier, der im 79ſten Jahre ſeines Alters, und dem Zaſten ſeines Amts, den Anfang des großen Werks machte, eine Einfoͤrmigkeit derſel⸗ ben durch das ganze Reich herzuſtellen ²). Unter Ludwig XV. gieng man noch einen Schritt weiter, und promulgirte auch uͤber das Materielle des Rechts“), was bisber den Roͤmiſchen und ſtatutariſchen Geſetzen üͤberlaſſen war, einige allgemeine Verordnungen; tudwig den XVI. ver⸗ hinderte ſein ungluckliches Schickſal ſich der Geſetzgebung thätiger an⸗ zunehmen ²),
1) Hierher gehören: PhllippIV. Geſetz gegen den Wucher 1317, Ludwigs X. Abſchaffung der Sclaverey 1315, Philipps V. und Johanns 11. Proceßordnun⸗ gen 1318, 1361; Carls IV. Forſtordnung 1326, Carl VI. Edict uͤber die Fähig⸗ teit der Frauenzimmer, ein Zeugniß abzulegen 1394 Carls VIII. Cdict die Verbeſſerung der Juſtiz und Parlamente betreffend 1493, Ludwigs KII. Ordon⸗ nanz von Blois 1498, Franz 1. Edict oon Cremieu uͤber die Gerichtsbarkeit der Aemter und Senechauſſeen 1536, die Ordonnanz von Billers⸗Cotterets die
Abkuͤrzung der Proceſſe betreffend 1539/ Heinrichs 1I. Einrichtung der Praſtdial⸗ gerichte 155r, und Karl X. Ordonnance von Moulins, die Juſtizreforme be⸗
treffend 1566, ein Werk des Kanzlers de l Hopital. 2) Samm⸗


