Teil eines Werkes 
Dritter Band (1808)
Entstehung
Seite
500
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5o 1I. Buch. VIII. Tit. Von dem Nieth⸗Contraete.

Eigenthum, und ſein ganzer Vortheil beſchränkt ſich auf die hievon geworfenen Kälber.«*)

*) Dieſer Vertrag iſt weder ein Rieth⸗ noch ein Geſellſchafts⸗ Contract, nicht ein Mieth⸗Contraet, weil hiezu eine für einen gew ſſen Preis, entweder in Geld, oder in einem Theile der Fruͤchte die die Sache hervorbringt, vermiethete Sache weſentlich erfordert wird, was doch bey dem Vertrage, wovon die Rede iſt, der Fall nicht iſt, nicht ein Socictäts⸗Contract, weil hierin die Parteyen etwas gemeinſchaftlich einbringen, um einen gemein⸗ ſchaftlichen Gewinn zu machen, was ebenfalls beym vorliegenden Contragte nicht Statt hat. Dieſe Art Vieh zu verpachten iſt alſo, wie Pochier ſagt, ein ungenannter Centraet, wodurch der Eigenthümer einer Kuh jemanden den aus ihrer Milch, und aus dem Dünger entſpringenden Gewinn überläßt, damit er ſie er⸗ naͤhre, und verpflege.

Da der Verpachter ſich bey dieſem Contraete verbindet, den Pächter die Rilch der Kuh genießen zu laſſen, mit Ausnahme jedoch derjenigen, welche nothwendig iſt um das Kalb zu ſaͤugen, bis es abgeſetzt und verkauft werden kann, ſo iſt der Verpachter, ſobald ſich das Kalb in dieſem Zuſtande befindet, ſchuldig, es abzunehmen, widrigenfalls muß er den Pächter fuͤr die Rilch, deren er von der Zeit an, wo das Kalb hätte abgenommen wer⸗ den müſſen, beraubt worden iſt, verhältnißmaͤßig entſchädigen. um ſeine Klage zu begruͤnden, muß der Pächter den Verpachter in Verzug ſetzen, und ihn zur Abnahme des Kalbes gerichtlich belangen.

Zuweilen wird bey dieſem Vertrage ſtipulirt; daß das Kalb während fuͤnf oder ſechs Wochen geſäugt werden ſoll: iſt nichts hieruͤber beſtimmt worden, ſo wird am gewoͤhnlichſten jedes Kalb, das drey oder vier Wochen alt iſt, ſo angeſehen, als wenn es ſich im Zuſtande beſinde, verkauſt zu werden.

Hat man im Vertrage die Zeit beſtimmt, wie lange die Kuh beym Paͤchter bleiben ſoll, ſo muß es hiebey ſein Bewenden

haben, es ſey dann, daß der Verpachter beweiſe, daß der Paͤch rer ſie mißbrauche: in dieſem Falle muß der Verpachter autori ſirt werden, ſie vor Ablauf der beſti umten Zeit zuruck zu nehmen⸗

Iſt keine Zeit feſtgeſetzt worden, ſo kann der Berpachter die Kuh zurücknehmen, wann er es für gut findet, und eben ſo ſteht es auch dem Pächter frey, ſie nach Belieben zurück zu ge⸗ ben, falls es nur zu einer ſchicklichen Zeit geſchieht. So wäre