Teil eines Werkes 
Zweyter Band (1808)
Entstehung
Seite
530
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530 1II. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Leſtamenten.

gen dadurch widerrufen werden. Da indeſſen unſer Artikel das Gegentheil entſcheidet, ſo muß es hiebey ſein Bewenden haben;*) döch verſteht es ſich von ſelbſt, daß, wenn ſie die Quote übenſteigen, worüber der Art. 1094 den Ehegatten unter ſich zu disponiren erlaubt, ſie ſo wie die uͤbrigen Dis⸗ poſitionen der Reduction unterworfen ſind.

Der Art. 77 der Ordonnanz von 1735 ſchraͤnkte ſich auf das Verboth der wechſelſeitigen Teſtamente ein, ohne zu erklären, ob durch wechſelſeitige Teſtamente jene zu verſtehen ſeyen, die von zwey Perſonen in eädem chartä gemacht würden, oder ob man auch als ein wechfelſeitiges Teſtament zwey abgeſonderte Teſtamente anſehen müſſe, die von zwey Perſonen im nehmlichen Augenblicke gemacht würden, und worin eine die andere zum Erben einſetzte; als jedoch dieſe Frage unter der Herrſchaft ge⸗ ſagter Ordonnanz zur Sprache kam, ward ſie zweymahl, nehm⸗ lich im April 1743 und am 31. März 1775 vom Parlamente zu Bordeaux dahin entſchieden, daß nur jenes Teſtament als ein wechſelſeitiges anzuſehen ſey, welches von zwey oder mehrern in eadem chartä gemacht wird, und worin einer den andern ge⸗ genſeitig zum Erben einſetzt.(Salviat, jurisprud. du parlem. de Bordeaux, p. 477.)

Hat man ſo in Hinſicht der Teſtamente, unter der Ordon⸗

nanz von 1735 geurtheilt, um wie viel eher muß man eben ſo unter dem Geſetzbuche Napoleons, in Hinſicht der Schenkungen unter Ehegatten entſcheiden, indem dieſes, um es nochmahls zu wiederhohlen, den Ehegatten die Befugniß nicht benimmt, ſich wechſelſeitig zu ſchenken, und ihnen bloß dergleichen Schenkun⸗ gen in einem und demſelben Acte unterſagt? ꝛc. c.

Gemäß dieſem Antrage des Herrn General⸗Proeurators, und ganz nach den darin entwickelten Gründen wurde das obige Ur⸗ theil des Appellations⸗Hofes von Renues von der Eivil⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 22. Julius 1807 caſſirt. Jurispr. de la Cour de Cassat. 1807. p. 361 u. f.

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4) Da uͤbrigens der vorliegende Artikel die Schenkungen, wovon er handelt, ganz algemein von dem Widerrufe wegen nachgebor⸗ ner Kinder ausnimmt, ſo bleiben auch ſolche Schenkungen in dieſer Hinſicht unwiderruflich, wenn ſie ſchon in erſter Ehe ge⸗ ſchehen ſind, woin keine Kinde; Leteugt wurden, dem Geſchenk⸗