Teil eines Werkes 
Zweyter Band (1808)
Entstehung
Seite
529
Einzelbild herunterladen

UI. Buch. M. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 529

Lehre des Leprétre, Faber und Ferrière, daß die Schenkun⸗

ſie immer widerruflich waren, der Inſinuation, dieſer äußern Formalität, die das Geſetz fuͤr die eigentlich ſo genaunten Schen⸗ kungen unter Lebenden vorſchrieb, unterworfen; und waren ſie, wenn ſie inſinuirt worden waren, bloß deßwegen von den teſta⸗ mentariſchen Formalitäten befreyt, warum ſollten unter dem Geſetzbuche Napoleons dergleichen Schenkungen nicht ebenfalls den äußern Formalitäten unterworſen ſeyn, die in den Art⸗ 931 und folg. für die eigentlich ſo genannten Schenkungen unter Lebende vorgeſchrieben ſind; und warum ſollten ſie; wenn ſie mit dieſen äußern Formalitäten verſehen ſind, nicht ebenfalls von denjenigen befreyt ſeyn, die bey Teſtamenten erfordert wer⸗ den? Es iſt nicht nur der nehrzliche Grund ſo zu entſcheiden, bey dem römiſchen Rechte und dem Geſetzbuche Napoleons vor⸗ handen, ſondern letzteres beweiſt noch klar in ſeinen Att. 947, 1096 und 1097; daß dieſe Entſcheibung mit ſeinem Geiſte ganz uͤbereinſtimmt.

Vergebens behauptet übrigens der Appellations⸗Hof von Rennes, in dem Acte vom 9. Meſſidor 12. J. eine Hedertretung des im Art. 1097 enthaltenen Verbothes zu ſinden, nach welchem Ehegatten ſich keine wechſelſeitige Schenkung in einem und dem nehmlichen Acte machen dürfen.

Es iſt wahr, daß die Gattinn des Peter Lecouvreur am nehmlichen Tage, und numittelbar nach dem Aete, wodurch letzterer ihr den vierten Theil ſeines ganzen Vermoͤgens, das er bey ſeinem Tode zurücklaſſen würde, geſchenkt hatte, ihm eben⸗ falls ihr ganzes Vermögen, welches ſie hinterlaſſen würde, unter den Lebenden geſchenkt habe; und eben ſo wahr iſt es, daß hie⸗ durch eine Art von wechſelſeitiger Schenkung zu Stande gekom⸗ men iſt Allein, verbiethet denn der Art. 1097 die wechſelſeiti⸗ gen Schenkungen unter Ehegatten? Rein er verbiethet ihnen bloß ſich wechſelſeitige Schenkungen im nehmlichen Aete zu ma⸗ chen, und durch dieſes ſo eingeſchraͤnkte Verboth erlaubt er ihnen ganz klar ſich in abgeſonderten Aeten wechſelſeitig zu ſchenken.

Und was liegt daran, ob dieſe abgeſonderten Vete unmit telbar auf einander gefolgt ſeyen? Das Geſetz ſchreibt ja keinen Zwiſchenraum zwiſchen ihnen vor.

Malev. II.

+