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522 1M. Buch. M. Tit. Von Schenkungen und Leſtamenten.
In den erſtern kennten die Ehegatten ſich im Heiraths— Contracte Schenkungen aller Art machen, ſo wie ihnen dieß auch heut zu Tage der Art. 1091 erlaubt; dieſe Schenkungen durften indeſſen eben ſo wenig, als jene, die waͤhrend der Ehe geſchahen, den Perſonen, welchen ein Pflichttheil gebührt, zum Nachheile gercichen, und die Pflichttheile mußten allzeit un⸗ angegriffen bleiben; wogegen Ehegatten ſich, unſerem Artikel zufolge, wenn ſie weder Kinder noch Ascendenten haben, nicht nur, was allerdings gerecht iſt, ihr ganzes Vermögen, ſon⸗ dern ſich auch, wenn ſie nur Ascendenten haben, auſſer dem disponiblen Theile, ſo gar den Nießbrauch des Pflichttheiles der Ascendenten, und wenn ſie Kinder hinterlaſſen, nach Belieben entweder ein Viertel dem Eigenthum nach, und den Nießbrauch eines andern Viertheiles, oder den Nieß⸗ brauch an der Haͤlfte ihres ganzen Vermoͤgens ſchenken koͤnnen.
Bey dieſen letztern Verfuͤgungen weicht unſer Atikel von den gewoͤhnlichen Regeln, ſelbſt von jenen ab, die im Att. o13 enthalten ſind, und bildet ein ganz eigenes Recht ſuͤr die Ehegatten.
Nach meiner Meinung iſt indeſſen dieſe Neuerung eben nicht das Beſte im Artikel; freylich kann ſie in Anſehung der Kinder keine ſehr ſchlimme Folgen haben, indem die El— tern doch nur zum Vortheile ihrer Kinder genießen; allein anders verhält es ſich in Hinſicht der Ascendenten, und es iſt wahrhaſt lächerlich, den Tod ihrer Schwiegerſöhne oder Schwiegertöchter, die um eine ganze Generation juͤnger als ſie ſind, zur Bedingung des Genuſſes ihres Pflichttheiles zu machen.
Art. 1095.„Ein Minderjaͤhriger kann durch einen „Heiraths⸗Contract dem andern Ehegatten, es ſcy durch eine „einſeitige oder wechſelſeitige Schenkung, nur mit Bewilli⸗ „gung und unter dem Beyſtande derjenigen ſchenken, deren
„Einwilligung zur Gültigkeit ſeiner Ehe erforderlich iſt, und „mit dieſer Bewilligung ſteht es ihm frey, alles dasjenige


