II. Buch. lI. Tit. Von dem Eigenthum. 23
Gegen Rousseau und deſſen Anhaͤnger hat er vollkommen bewieſen, daß das Eigenthum, und die Theilung des Erdbo⸗ dens, weit entfernt dem menſchlichen Geſchlechte ſchädlich, und der Keim der Uebel geweſen zu ſeyn, die ſie ihm zu⸗ ſchreiben, im Gegentheile die Ordnung in der Geſellſchaft geſchaffen haben, und die beſten Bürgen der Fortdauer der Reiche ſeyen. Ohne Eigenthum gibt es in der That keinen Ackerbau, und was würde man ohne Ackerbau anders ſehen, als Wilde, die auf der Oberflaͤche der Erde herum irrten, und ſich in Wäldern und auf unangebautem Lande für die Jagd eben ſo untereinander herumſchluͤgen, wie die civiliſir⸗ ten Völker es fuͤr das Eigenthum der Ländereyen, und der Städte thun?
Auch gegen die Staats-DOeconomiſten bewies Herr Por⸗ talis die Gefahr, und ſelbſt die Falſchheit eines Syſtems, das den Souverainen eine Art von Mit-Eigenthum an al⸗ len in dem Lande, welches ſie beherrſchen, gelegenen Güter bey⸗ legt; dieſes Mit-Eigenthum folgt keineswegs aus der noth⸗ wendigen Befugniß, zur gemeinſchaſtlichen Vertheidigung und zur Handhabung der Ruhe im Innern Abgaben zu erheben; ſelbſt mit dem Begriffe des Eigenthums-Rechtes ſteht es im Widerſpruche, welches ſeinem Weſen nach ein ausſchließli⸗ ches Recht iſt, und keine andere Graͤnzen hat, als jene, die ihm die Geſetze anweiſen, und es würde in der Meinung des Bürgers, den Werth dieſes Eigenthumes herabſetzen, woran man doch die lebhafteſte Anhaͤnglichkeit in ihm zu erhalten ſuchen muß; denn, ſein Eigenthum kann er nicht lieben, ohne zugleich die Geſetze zu lieben, die es beſchützen.
Ferner hat er gezeigt, daß die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens weniger zum Wohlſtand und zum Glücke der Na⸗ tionen beyträgt, als die Dauerhaftigkeit des Eigenthumes, und die Freyheit, die jeder Bürger hat, es zu ſeinem größten Vortheile zu benutzen, und führt als Beyſpiel das Batavi⸗ ſche Volk an, welches den Boden, worauf es ſich nieder ließ, dem Schvoſe der Fluten entriſſen hat, und ihn täglich gegen ihre gewaltſame Anfälle vertheidigt.


