1. Buch. Xl. Tit. Von der PVolljährigkeite zc. 485
Erziehung vieler dieſer Unglücklichen auf einen hohen Grad von Vollkommenheit gebracht, ſo iſt es dech gewiß, daß
Vergebens bemuht man ſich, uns zu äberreden, daß in der Maß⸗ regel, wodurch der aus der Vormundſchaft getretene pubes, mit ſeinen Einkünften in die Gewalt ſeiner Mutter zuruͤckfaͤllt, keine Zuruͤckwirkung liege.
Was die Per ſon betrifft, iſt Zurückwirkung vor handen: die Emaneipation iſt eine Rückkehr zur Freyh eit; und dieß gilt nicht nur von der Emanecipation, die das Geſetz eintreten läßt, wenu das Kind ein gewiſſes Alter erreicht hat, ſondern auch von jener, die der Menſch vornimmt; nun fällt aber nach dem roͤmiſchen Rechte ein von der väterlichen Gewalt befreytes Kind nie mehr in dieſelbe zuruͤck: Semel à patria potestate solu- tus jam jam in eandem potestatem non est recasurus.— Filii emancipati nunquam inviti rediguntur in patriam potestalem.
In Betreff des Vermögens iſt eben ſo Zurückwirkung vorhanden. Wie kann man in Abrede ſtellen, daß das Kind ein erworbenes Recht auf die Guͤter habe, deren Beſitz durch den Tod ſeines Vaters auf es uͤbergeht? Wie darf man ſagen, daß dieſes erworbene Recht w iderruflich, und tempo⸗ rair ſey? Gibt es wohl un widerruflichere Rechte als jene ſind, die aus der Erbfolge entſpringen? Gibt es wohl ei⸗ nen Titel, der weniger zeitlich und der Perſon mehr ankle⸗ bend iſt, als jener eines Erben? und— dieſes Recht und dieſer Titel, haben ſie nicht im vorliegenden Falle, durch die bey dem Minderjaͤhrigen wirklich eingetretene Vereinigung des Beſitzes mit dem bloßem Eigenthume, einen höhern Grad von Kraft und Feſtigkeit erhalten?
Man ſuche ferner den Fehler der Zurückwirkung nicht durch eine andere Diſtinetion zwiſchen den der Verkündung des Geſetz⸗ buches vorhergehenden, und darauf folgenden Wir⸗
kungen zu bedecken; auch dieß iſt nur bloße Spitzfindigkeit,
denn von dem Rechte an ſich ſelbſt iſt die Rede; das Recht iſt es, was man feſtſetzen muß; die Wirkungen laſſen ſich nachher beſtimmen.
Das nehmliche gilt von dem Unterſchiede zwiſchen der geſetz⸗ lichen Emancipation, und jener, die von M enſchen vor⸗ genommen wird.
Ein ſehr ſtarker Entſcheidungs⸗Grund läßt ſich indeſſen ſelbſt aus den Worten des Art. 372 herleiten, worin es heißt: das


