Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812) Kurze Darstellung der Napoleonischen Civil-Gesetzgebung in Beziehung auf die Rezeption des Code Napoléon in teutschen Landen 1809
Entstehung
Seite
288
Einzelbild herunterladen

In dieſem Geiſte weicht von der gemeinen deutſchen Praxis das Geſetz Frankreichs uͤber Abweſende ab. Dieſem Geſetze ſind indeſſen wichtige Vorwuͤrfe gemacht worden. Ich darf ſie nicht verſchweigen. Denn ſie finden ſich in jener be⸗

ruͤhmten Kritik des franzoſiſchen Civilgeſetzbuchs, welche im Jahr 1805 faſt die allgemeine Meinung des litterairiſchen

deutſchen Publicums uͤber den Werth des Code civil ent⸗ ſchieden hat In Anſehung der Verwaltung und Benutzung des Vermoͤgens eines Abweſenden ſagt der Verfaſſer derſels benwuͤnſchten wir, daß eine beſſere Ordnung mit Im⸗ mittirung der Verwandten in den Beſitz beobachtet, und durch Edictalien, ſowohl der Abweſende zum Erſcheinen oder Be⸗ ſtellung eines Bevollmäͤchtigten, als die Verwandten even⸗

tualter citirt wuͤrden, um einſtweilen in den Beſitz und den

Genuß des Vermögens geſetzt zu werden; denn ſonſt kann leicht der Fall eintreten, daß ein, dem Grade nach entfernte⸗

rer, aber im Orte gegenwaͤrtiger und aufmerkſamer Ver⸗

wandte des Abweſenden die Abweſenheitserklärung bewirkt, und das Vermoͤgen benutzt, inzwiſchen ein dem Grade nach naͤherer, aber zufälligerweiſe gleichfalls auf eine Zeitlang ab⸗ weſender Verwandter erſcheint, der ein natuͤrlicheres Recht hatte, in den Beſitz geſetzt zu werden. Jener kann ſich auf den Buchſtaben des Geſetzes ſtuͤtzen, das keineswegs befiehlt,

der Enrferntere ſolle dem Naheren weichen, und wird ſich

in dem Beſitze und Genuſſe behaupten⸗

Den Descendenten des Abweſenden ſollten(1339), ſie

moͤchten nun vur oder nach 30 Jahren nach dem envoi de- nitiv erſcheinen und ſich legitimiren, die Reſtitution des Vermoͤgens ihrer Aeltern oder Großältern nicht verſagt wer⸗ den. Wir wuͤrden zu dem Ende vorſchlagen, daß ſowohl⸗ bei dem envoi definitiv, als auch, wenn die Descenden ten ſich um Reſtitution meldeten, die Guͤter taxirt wuͤrden⸗ So viel nun zu der letztgedachten Zeit dieſelbe meliorirt wor⸗ den waͤren, dieß muͤßten die Reſtituirten dem Beſitzer verguͤten. Wäre aber der Werth geringer geworden, ſo muͤßten ſie ſich die Guͤter in dieſem Zuſtande anzunehmen gefallen laſſen, es wäre denn dem Beſitzer eine Deterioration durch grobe Fahrlaͤſſigkeit vorzuwerfen und zu beweiſen, in welchem Falle er das, was das Gut jetzt gegen die erſte Ta⸗ xe weniger werth waͤre, erſetzen muͤßte*).

Mehrere dieſer Einwuͤrfe zeigen, daß der Recenſent die

*) AL. 3. vom Jahr 103 No. 61. S. 456 457.