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treten, oder, mit andern Worten, wo der Abweſende per⸗ ſchwunden oder verſtummt war.
Von dieſer Anſicht ansgegangen conſtruirt ſich das Ge⸗ ſetz des Kodex Napoleon beinahe von ſelbſt— aber freilich uͤberall im Contraſt mit der deutſchen Gerichtspraxis; denn
1) dem Abweſenden muß von dem Tage an, wo er ver⸗ ſtummt oder verſchwunden iſt, kein Curator beſtellt, ſondern ſeine Präſumtiv⸗Erben muͤßten eigentlich in den Beſitz ſeines Vermoͤgens proviſoriſch und gegen Caution eingeſetzt were den.— Daß letzteres dennoch nicht ſoaleich geſchieht, iſt die Folge einer beſondern geſetzlichen Vorſchrift, keines— wegs eine Folge des von der Geſetzgebung adoptirten Ge⸗ ſichtspunctes;
2) Der Abweſende wird von denjenigen Individuen be⸗ erbt, welche, wenn er im Moment ſeines Verſchwindens oder Verſtummens geſtorben waͤre, ſeine Erben wuͤrden ge⸗ weſen ſeyn.
3) Rechte, welche er nur unter der Bedingung ſeiner Exi⸗ ſtenz erwerben konnte, fallen ihm nicht zu. Wer auf ſein Daſeyn Rechte gruͤndet, muß jenes Daſeyn beweiſen.
Widerrechtlich kann man dieſe Anſicht noch weniger als die Anſicht der deuſchen Praxis nennen. Sie iſt in der An⸗ wendung einfacher. Die Praſumtiv⸗Erben, welche der Ab⸗ weſende im Moment ſeines Verſtummens oder Verſchwin⸗ dens hatte, ſind leichter auszumitteln, als die Praͤſumtiv⸗Er⸗ ben nach Ablauf ſeines hypotherſch angenommenen letzten ſiebenzigſten Lebensjahrs.
Sie iſt weniger druͤckend fuͤr den Abweſenden, als die Lehre des gemeinen Rechts von Verſchollenen. Denn, wenn dieſe den ſiebenzig)ahrigen Abweſendenden juriſtiſch toͤdtet, ſo toͤdtet ihn das franzoͤſiſche Geſetz juriſtiſch nie, ſondern legt nur der Vermuthung, daß ſein Verſchinden oder Verſtum⸗ men durch den Tod ſey verurſacht worden, nach Ablauf von 35 Jahren oder nach Ablauf von hundert Jah⸗ ren, vom Tage ſeiner Geburt angerechnet, die Wirkung einer juriſtiſchen Praſumtion bei.
Die Rechte des nach dieſer Periode wieder auftreten⸗ den Abweſenden bleiben ihm unbenommen, und er macht ſie, ſoweit es die Natur der Sache und Rückſichten fuͤr die Ru⸗ he ſeiner hinterlaſſenen Praͤſumtiv⸗Erben zuläßt, geltend. Seine Descendenten haben 30 Jahre lang— vom Tage an⸗ gerechner, da die Präſumtion ſeines Todes geſetzliche Wir⸗ ſamkeit erhielt— ein vom Geſetz geſchuͤtztes Recht auf ſeinen Nachlaß.


