Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1811)
Entstehung
Seite
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Staat üht ſie durch Schutzanſtalten interimiſtiſch und proviſoriſch für ihn aus. Nach beendigter Verwaltung fordert ſie der Adminiſtrirte ſelbſiſtändig und definitiv.

Mit der vom Geſetz ausgeſprochenen Mündig⸗ keitserklärung hört die Vormundſchaft auf.

Da ſich kein ſicheres und allgemeines Merkmal der Geiſtesmündigkeit angeben läßt, ſo knüpſt ſie das Geſetz an ein gewiſſes Alter. Sie wählt dasjenige, in welcher nach der gemeinſten Erfahrung, die klug be⸗ rechnende Sinnlichkeit, gegen diejenige Sinnlichkeit die Herrſchaft behauptet, welche dem Reiz des Augen⸗ blicks folgt.

Treten Umſtände ein, welche im Intereſſe des mit voller Geiſtesmündigkeit handelnden Adminiſtrir⸗ ten, eine frühere Mündigſprechung deſſelben rathſam machen, ſo bleibt es derjenigen Staatsgewalt, wel⸗ che Ausnahmen vom Geſetz zu machen befugt iſt, über⸗ laſſen, den geſetzlichen Termin der Mündigkeitsſpre⸗ chung mit oder ohne Einſchränkung ihrer Würkungen zu anticipiren.

So rechtfertigt ſich die venia aetatis wieder als ein naturgemäßes Inſtitut.

Das gemeine Recht überläßt die Ertheilung der⸗ ſelben dem Staatsoberhaupt, Das franzöſiſche über⸗ trägt ſie dem, die Verwandſchaft des Schutzbedürf⸗ tigen repräſfentirenden Familienrath. Für beides laſ⸗ ſen ſich Gründe angeben⸗

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