Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1811)
Entstehung
Seite
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eis drückte nur die Hoheit und Selbſtſtändigkeit der Familienmagiſtratur aus. Es war den Händen der Liebe anvertraut und die Geſchichte der römiſchen Sitten erwähnt keines Mißbrauchs.

Eben ſo ungerecht macht man es dem jüngern römiſchen Recht zum Vorwurf, daß es, indem es dem Kinde ein peculium adventitium verſtattet, dem Vater den Uſufruct daran beilegt, und ihn dadurch bei der Fortdauer der väterlichen Gewalt intereſſirt.

Daß es überhaupt ein peculium adventitium, oder ein abgeſondertes Eigenthum des Soh⸗ nes gibt, ſetzt ſchon verdorbene Sitten, eine Auflö⸗ ſung des Familiengeiſtes, einen genußbegierigen, ſein Intereſſe vom Intereſſe des Kindes abſondernden Va⸗ ter voraus.

Der väterliche Uſufruct an dieſem abgeſonderten Eigenthum iſt nichts anders als Fortdauer des alten Inſtituts, Ausfluß der rechtlichen Identität zwiſchen Vater und Sohn. Nicht dieſer Uſufruct, ſondeon das peculium adventitium ſelbſt iſt naturwidrig. An Belohnung für Pflege und Unterhalt denkt übri⸗ gens das Civilgeſetz eben ſo wenig, als der Vater nach antropologiſchen Geſetzen um des Uſuftucts willen ſich der Erziehung des Kindes widmet.

In dieſer Geſtalt haben wir das römiſche Recht in Deutſchland recipirt, ſo galt es in Frankreich in den pays du droit écrit.

Der Uſufenct am eignen Vermögen des Kindes dauerte, ohne Rechnungspflichtigkeit wegen des Ei⸗